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ÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻ
Differentialrechnung
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
top
Die Differential- oder Differenzialrechnung ist ein wesentlicher Bestandteil der Analysis und damit ein Gebiet der Mathematik. Zentrales Thema der Differentialrechnung ist die Berechnung lokaler VerÀnderungen von Funktionen. WÀhrend eine stetige Funktion ihren Eingabewerten kontinuierlich gewisse Ausgangswerte zuordnet, wird durch die Differentialrechnung ermittelt, wie stark sich die Ausgabewerte nach sehr kleinen VerÀnderungen der Eingabewerte Àndern. Sie ist eng verwandt mit der Integralrechnung, mit der sie gemeinsam unter der Bezeichnung Infinitesimalrechnung zusammengefasst wird.
Die Ableitung einer Funktion dient der Darstellung lokaler VerĂ€nderungen einer Funktion und ist gleichzeitig Grundbegriff der Differentialrechnung. Anstatt von der Ableitung spricht man auch vom Differentialquotienten, dessen geometrische Entsprechung die Tangentensteigung ist. Die Ableitung ist nach der Vorstellung von Leibniz der ProportionalitĂ€tsfaktor zwischen infinitesimalen Ănderungen des Eingabewertes und den daraus resultierenden, ebenfalls infinitesimalen Ănderungen des Funktionswertes. Eine Funktion wird als differenzierbar bezeichnet, wenn ein solcher ProportionalitĂ€tsfaktor existiert. Ăquivalent wird die Ableitung in einem Punkt als die Steigung derjenigen linearen Funktion definiert, die unter allen linearen Funktionen die Ănderung der Funktion am betrachteten Punkt lokal am besten approximiert. Entsprechend wird mit der Ableitung in dem Punkt eine lineare NĂ€herung der Funktion gewonnen. Die Linearisierung einer möglicherweise komplizierten Funktion hat den Vorteil, dass eine einfacher behandelbare Funktion entsteht als die ursprĂŒngliche Funktion.
In vielen FÀllen ist die Differentialrechnung ein unverzichtbares Hilfsmittel zur Bildung mathematischer Modelle, die die Wirklichkeit möglichst genau abbilden sollen, sowie zu deren nachfolgender Analyse.
⹠Das Verhalten von Bauelementen mit nicht-linearer Kennlinie wird bei kleinen SignalÀnderungen in der Umgebung eines Bezugspunktes durch ihr Kleinsignalverhalten beschrieben; dieses basiert auf dem Verlauf der Tangente an die Kennlinie im Bezugspunkt.
âą Die Ableitung nach der Zeit ist im untersuchten Sachverhalt die momentane Ănderungsrate. So ist beispielsweise die Ableitung der Orts- beziehungsweise Weg-Zeit-Funktion eines Teilchens nach der Zeit seine Momentangeschwindigkeit, und die Ableitung der Momentangeschwindigkeit nach der Zeit liefert die momentane Beschleunigung.
⹠In den Wirtschaftswissenschaften spricht man auch hÀufig von Grenzraten anstelle der Ableitung, zum Beispiel Grenzkosten oder GrenzproduktivitÀt eines Produktionsfaktors.
In der Sprache der Geometrie ist die Ableitung eine verallgemeinerte Steigung. Der geometrische Begriff Steigung ist ursprĂŒnglich nur fĂŒr lineare Funktionen definiert, deren Funktionsgraph eine Gerade ist. Die Ableitung einer beliebigen Funktion an einer Stelle x 0 {\displaystyle x_{0}} kann man als die Steigung der Tangente im Punkt ( x 0 , f ( x 0 ) ) {\displaystyle (x_{0},f(x_{0}))} des Graphen von f {\displaystyle f} definieren.
In der Sprache der Arithmetik schreibt man f âČ ( x ) {\displaystyle f'(x)} fĂŒr die Ableitung einer Funktion f {\displaystyle f} an der Stelle x {\displaystyle x} . Sie gibt an, um welchen Faktor von Î Î x {\displaystyle \Delta x} sich f ( x ) {\displaystyle f(x)} ungefĂ€hr Ă€ndert, wenn sich x {\displaystyle x} um einen âkleinenâ Betrag Î Î x {\displaystyle \Delta x} Ă€ndert. FĂŒr die exakte Formulierung dieses Sachverhalts wird der Begriff Grenzwert oder Limes verwendet.
Contents
âą EinfĂŒhrung
âą Geschichte
âą Definition
âą Notationen
âą Zusammenfassung
âą Anwendungen
âą Grenzfunktionen
âą Anwendungen
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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EinfĂŒhrung
HeranfĂŒhrung anhand eines Beispiels
FĂ€hrt ein Auto auf einer StraĂe, so kann anhand dieses Sachverhalts eine Tabelle erstellt werden, in der zu jedem Zeitpunkt die Strecke, die seit dem Beginn der Aufzeichnung zurĂŒckgelegt wurde, eingetragen wird. In der Praxis ist es zweckmĂ€Ăig, eine solche Tabelle nicht zu engmaschig zu fĂŒhren, d. h. zum Beispiel in einem Zeitraum von 1 Minute nur alle 3 Sekunden einen neuen Eintrag zu machen, was lediglich 20 Messungen erfordern wĂŒrde. Jedoch kann eine solche Tabelle theoretisch beliebig engmaschig gestaltet werden, wenn jeder Zeitpunkt berĂŒcksichtigt werden soll. Dabei gehen die vormals diskreten, also mit einem Abstand behafteten, abzĂ€hlbaren Daten in ein Kontinuum ĂŒber. Die Gegenwart wird dann als Zeitpunkt, d. h. als ein unendlich kurzer Zeitabschnitt, interpretiert. Gleichzeitig hat das Auto aber zu jedem Zeitpunkt eine theoretisch bekannte Strecke zurĂŒckgelegt, und wenn es nicht bis zum Stillstand abbremst oder gar zurĂŒck fĂ€hrt, wird die Strecke kontinuierlich ansteigen, also zu keinem Zeitpunkt dieselbe sein wie zu einem anderen.
Die Motivation hinter dem Begriff der Ableitung einer Weg-Zeit-Kurve oder -Funktion ist, dass nun angegeben werden kann, wie schnell sich das Auto zu einem momentanen Zeitpunkt bewegt. Aus einem Weg-Zeit-Verlauf soll also der passende Geschwindigkeit-Zeit-Verlauf abgeleitet werden. Hintergrund ist, dass die Geschwindigkeit ein MaĂ dafĂŒr ist, wie stark sich die zurĂŒckgelegte Strecke im Laufe der Zeit Ă€ndert. Bei einer hohen Geschwindigkeit ist ein starker Anstieg in der Kurve zu sehen, wĂ€hrend eine niedrige Geschwindigkeit zu wenig VerĂ€nderung fĂŒhrt. Da jedem Messpunkt auch eine Strecke zugeordnet wurde, sollte eine solche Analyse grundsĂ€tzlich möglich sein, denn mit dem Wissen ĂŒber die zurĂŒckgelegte Strecke Î Î s {\displaystyle \Delta s} innerhalb eines Zeitintervalls Î Î t {\displaystyle \Delta t} gilt fĂŒr die Geschwindigkeit
v = Î Î s Î Î t . {\displaystyle v={\frac {\Delta s}{\Delta t}}.}
Sind also t 0 {\displaystyle t_{0}} und t 1 {\displaystyle t_{1}} zwei unterschiedliche Zeitpunkte, so lautet âdie Geschwindigkeitâ des Autos im Zeitintervall zwischen diesen
v = s ( t 1 ) â â s ( t 0 ) t 1 â â t 0 . {\displaystyle v={\frac {s(t_{1})-s(t_{0})}{t_{1}-t_{0}}}.}
Die Differenzen in ZĂ€hler und Nenner mĂŒssen gebildet werden, da man sich nur fĂŒr die innerhalb eines bestimmten Zeitintervalls t 1 â â t 0 {\displaystyle t_{1}-t_{0}} zurĂŒckgelegte Strecke s ( t 1 ) â â s ( t 0 ) {\displaystyle s(t_{1})-s(t_{0})} interessiert. Dennoch liefert dieser Ansatz kein vollstĂ€ndiges Bild, da zunĂ€chst nur Geschwindigkeiten fĂŒr Zeitintervalle mit auseinander liegendem Anfangs- und Endpunkt gemessen wurden. Eine momentane Geschwindigkeit, vergleichbar mit einem Blitzerfoto, hingegen bezöge sich auf ein unendlich kurzes Zeitintervall. Dementsprechend ist der oben stehende Begriff âGeschwindigkeitâ durch âdurchschnittliche Geschwindigkeitâ zu prĂ€zisieren. Auch wenn mit echten Zeitintervallen, also diskreten Daten, gearbeitet wird, vereinfacht sich das Modell insofern, als fĂŒr ein Auto innerhalb der betrachteten Intervalle keine schlagartige OrtsĂ€nderung und keine schlagartige GeschwindigkeitsĂ€nderung möglich ist. (Auch eine Vollbremsung benötigt Zeit, und zwar lĂ€nger als die Zeit, in der die Reifen quietschen.) Damit ist auch in der Zeichnung der stillschweigend durchgehend eingetragene Kurvenzug ohne Sprung und ohne Knick gerechtfertigt.
Soll hingegen zu einem âperfekt passendenâ Geschwindigkeit-Zeit-Verlauf ĂŒbergegangen werden, so muss der Terminus âdurchschnittliche Geschwindigkeit in einem Zeitintervallâ durch âGeschwindigkeit zu einem Zeitpunktâ ersetzt werden. Dazu muss zunĂ€chst ein Zeitpunkt t 0 {\displaystyle t_{0}} gewĂ€hlt werden. Die Idee ist nun, âausgedehnte Zeitintervalleâ in einem Grenzwertprozess gegen ein unendlich kurzes Zeitintervall laufen zu lassen und zu studieren, was mit den betroffenen durchschnittlichen Geschwindigkeiten passiert. Obwohl der Nenner t 1 â â t 0 {\displaystyle t_{1}-t_{0}} dabei gegen 0 strebt, ist dies anschaulich kein Problem, da sich das Auto in kĂŒrzer werdenden Zeitabschnitten bei stetigem Verlauf immer weniger weit bewegen kann, womit sich ZĂ€hler und Nenner gleichzeitig verkleinern und im Grenzprozess ein unbestimmter Ausdruck â 0 0 {\displaystyle {\tfrac {0}{0}}} â entsteht. Dieser kann unter UmstĂ€nden als Grenzwert Sinn ergeben, beispielsweise drĂŒcken
5 M e t e r S e k u n d e und 5 M i l l i m e t e r M i l l i s e k u n d e und 5 N a n o m e t e r N a n o s e k u n d e usw. {\displaystyle {\tfrac {5\ \mathrm {Meter} }{\mathrm {Sekunde} }}\ {\text{ und }}\ {\tfrac {5\ \mathrm {Millimeter} }{\mathrm {Millisekunde} }}\ {\text{ und }}\ {\tfrac {5\ \mathrm {Nanometer} }{\mathrm {Nanosekunde} }}\ {\text{ usw.}}}
exakt dieselben Geschwindigkeiten aus. Nun gibt es zwei Möglichkeiten beim Studium der Geschwindigkeiten. Entweder, sie lassen in dem betrachteten Grenzwertprozess keine Tendenz erkennen, sich einem bestimmten endlichen Wert anzunĂ€hern. In diesem Fall kann der Bewegung des Autos keine zum Zeitpunkt t 0 {\displaystyle t_{0}} gĂŒltige Geschwindigkeit zugeordnet werden, d. h., der Ausdruck â 0 0 {\displaystyle {\tfrac {0}{0}}} â hat hier keinen eindeutigen Sinn. Gibt es hingegen eine zunehmende Stabilisierung in Richtung auf einen festen Wert, so existiert der Grenzwert
d s d t ( t 0 ) := lim t 1 â â t 0 s ( t 1 ) â â s ( t 0 ) t 1 â â t 0 = lim Î Î t â â 0 s ( t 0 + Î Î t ) â â s ( t 0 ) Î Î t {\displaystyle {\frac {\mathrm {d} s}{\mathrm {d} t}}(t_{0}):=\lim _{t_{1}\to t_{0}}{\frac {s(t_{1})-s(t_{0})}{t_{1}-t_{0}}}=\lim _{\Delta t\to 0}{\frac {s(t_{0}+\Delta t)-s(t_{0})}{\Delta t}}}
und drĂŒckt die exakt im Zeitpunkt t 0 {\displaystyle t_{0}} bestehende Geschwindigkeit aus. Der unbestimmte Ausdruck â 0 0 {\displaystyle {\tfrac {0}{0}}} â nimmt in diesem Fall einen eindeutigen Wert an. Die dabei entstehende Momentangeschwindigkeit wird auch als Ableitung von s {\displaystyle s} an der Stelle t 0 {\displaystyle t_{0}} bezeichnet; fĂŒr diese wird hĂ€ufig das Symbol s âČ ( t 0 ) {\displaystyle s'(t_{0})} benutzt. Mit dem Grenzwert wird die Momentangeschwindigkeit zu einem beliebigen Zeitpunkt definiert als
v = d s d t . {\displaystyle v={\frac {\mathrm {d} s}{\mathrm {d} t}}.}
Prinzip der Differentialrechnung
Das Beispiel des letzten Abschnitts ist dann besonders einfach, wenn die Zunahme der zurĂŒckgelegten Strecke mit der Zeit gleichförmig, also linear verlĂ€uft. Dann liegt speziell eine ProportionalitĂ€t zwischen der VerĂ€nderung der Strecke und der VerĂ€nderung der Zeit vor. Die relative VerĂ€nderung der Strecke, also ihre Zunahme im VerhĂ€ltnis zur Zunahme der Zeit, ist bei dieser Bewegung immer gleichbleibend. Die mittlere Geschwindigkeit ist zu jedem Zeitpunkt auch die momentane Geschwindigkeit. Beispielsweise legt das Auto zwischen 0 und 1 Sekunden eine gleich lange Strecke zurĂŒck wie zwischen 9 und 10 Sekunden und die zehnfache Strecke zwischen 0 und 10 Sekunden. Als ProportionalitĂ€tsfaktor ĂŒber den ganzen Weg gilt die konstante Geschwindigkeit v {\displaystyle v} , wobei sie im nebenstehenden Bild v = 2 m / s {\displaystyle v=2\,\mathrm {m/s} } betrĂ€gt. Die zwischen beliebig weit auseinanderliegenden Zeitpunkten t {\displaystyle t} und t + Î Î t {\displaystyle t+\Delta t} zurĂŒckgelegte Strecke betrĂ€gt
Î Î s = s ( t + Î Î t ) â â s ( t ) = v â
â
( t + Î Î t ) â â v â
â
t = v â
â
Î Î t {\displaystyle \Delta s=s(t+\Delta t)-s(t)=v\cdot (t+\Delta t)-v\cdot t=v\cdot \Delta t} .
Allgemein bewegt sich das Auto in der Zeitspanne Î Î t {\displaystyle \Delta t} um die Strecke Î Î s = v Î Î t {\displaystyle \Delta s=v\,\Delta t} vorwĂ€rts. Speziell bei Î Î t = 5 s {\displaystyle \Delta t=5\,\mathrm {s} } ergibt sich ein WegstĂŒck Î Î s = v Î Î t = 2 m s â
â
5 s = 10 m {\displaystyle \Delta s=v\,\Delta t=2\,\mathrm {{\tfrac {m}{s}}\cdot 5\,s=10\,m} } .
Falls der Startwert bei t = 0 {\displaystyle t=0} nicht s ( 0 ) = 0 {\displaystyle s(0)=0} sondern s ( 0 ) = c â â 0 {\displaystyle s(0)=c\neq 0} betrĂ€gt, Ă€ndert dies nichts, da sich in der Beziehung s = v t + c {\displaystyle s=v\,t+c} die Konstante c {\displaystyle c} durch die Differenzbildung aus Î Î s {\displaystyle \Delta s} stets heraussubtrahiert. Auch anschaulich ist dies bekannt: Die Startposition des Autos ist unerheblich fĂŒr seine Geschwindigkeit.
Werden statt der Variablen t {\displaystyle t} und s {\displaystyle s} allgemein die Variablen x {\displaystyle x} und y {\displaystyle y} betrachtet, so lÀsst sich also festhalten:
âą Lineare Funktionen: Bei LinearitĂ€t hat die betrachtete Funktion die Gestalt y = f ( x ) = m x + c {\displaystyle y=f(x)=mx+c} . (FĂŒr eine lineare Funktion ist keine Ursprungsgerade erforderlich!) Als Ableitung gilt die relative VerĂ€nderung, mit einem anderen Wort der Differenzenquotient Î Î y Î Î x {\displaystyle {\tfrac {\Delta y}{\Delta x}}} . Sie hat in jedem Punkt denselben Wert m {\displaystyle m} . Die Ableitung lĂ€sst sich aus dem Ausdruck m x + c {\displaystyle mx+c} direkt ablesen. Insbesondere hat jede konstante Funktion f ( x ) = c {\displaystyle f(x)=c} die Ableitung Î Î y Î Î x = 0 {\displaystyle {\tfrac {\Delta y}{\Delta x}}=0} , da sich mit einer Ănderung des Eingabewertes nichts am Ausgabewert Ă€ndert.
Schwieriger wird es, wenn eine Bewegung nicht gleichförmig verlĂ€uft. Dann ist das Diagramm der Zeit-Strecken-Funktion nicht geradlinig. FĂŒr derartige VerlĂ€ufe muss der Ableitungsbegriff erweitert werden. Denn es gibt keinen ProportionalitĂ€tsfaktor, der ĂŒberall die lokale relative VerĂ€nderung ausdrĂŒckt. Als einzig mögliche Strategie ist die Gewinnung einer linearen NĂ€herung fĂŒr die nicht-lineare Funktion gefunden worden, zumindest an einer interessierenden Stelle. (Im nĂ€chsten Bild ist das die Stelle x = 1 {\displaystyle x=1} .) Damit wird das Problem auf eine wenigstens an dieser Stelle lineare Funktion zurĂŒckgefĂŒhrt. Die Methode der Linearisierung ist die Grundlage fĂŒr den eigentlichen KalkĂŒl der Differentialrechnung. Sie ist in der Analysis von sehr groĂer Bedeutung, da sie dabei hilft, komplizierte VorgĂ€nge lokal auf leichter verstĂ€ndliche VorgĂ€nge, nĂ€mlich lineare VorgĂ€nge, zu reduzieren.cite-ref-1[1]
| x {\displaystyle x} | 0,5 | 0,9 | 0,99 | 0,999 | 1 | 1,001 | 1,01 | 1,1 | 1,5 | 2 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| f = x 2 {\displaystyle f=x^{2}} | 0,25 | 0,81 | 0,9801 | 0,998001 | 1 | 1,002001 | 1,0201 | 1,21 | 2,25 | 4 |
| g = 2 x â 1 {\displaystyle g=2x-1} | 0 | 0,8 | 0,98 | 0,998 | 1 | 1,002 | 1,02 | 1,2 | 2 | 3 |
| g ( x ) â f ( x ) {\displaystyle g(x)-f(x)} | â0,25 | â0,01 | â0,0001 | â0,000001 | 0 | â0,000001 | â0,0001 | â0,01 | â0,25 | â1 |
| / g ( x ) â f ( x ) x â 1 / {\displaystyle {\Big /}{\tfrac {g(x)-f(x)}{x-1}}{\Big /}} | 50 % | 10 % | 1 % | 0,1 % | | 0,1 % | 1 % | 10 % | 50 % | 100 % |
Die Strategie soll exemplarisch an der nicht-linearen Funktion f ( x ) = x 2 {\displaystyle f(x)=x^{2}} erlĂ€utert werden.cite-ref-2[2] Die Tabelle zeigt Werte fĂŒr diese Funktion und fĂŒr ihre NĂ€herungsfunktion an der Stelle x = 1 {\displaystyle x=1} , das ist g ( x ) = 2 x â â 1 {\displaystyle g(x)=2x-1} . Darunter enthĂ€lt die Tabelle die Abweichung der NĂ€herung von der ursprĂŒnglichen Funktion. (Die Werte sind negativ, weil in diesem Fall die Gerade immer unter der Kurve liegt â auĂer im BerĂŒhrpunkt.) In der letzten Zeile steht der Betrag der relativen Abweichung, das ist die Abweichung bezogen auf die Entfernung der Stelle x {\displaystyle x} vom BerĂŒhrpunkt bei x = 1 {\displaystyle x=1} . Diese kann am BerĂŒhrpunkt nicht berechnet werden. Aber die Werte in der Umgebung zeigen, wie sich die relative Abweichung einem Grenzwert nĂ€hert, hier dem Wert null. Diese Null bedeutet: Selbst wenn sich x {\displaystyle x} ein wenig (infinitesimal) vom BerĂŒhrpunkt entfernt, entsteht noch kein Unterschied zwischen g ( x ) {\displaystyle g(x)} und f ( x ) {\displaystyle f(x)} .
Die lineare Funktion g ( x ) {\displaystyle g(x)} ahmt das Verhalten von f ( x ) {\displaystyle f(x)} nahe der Stelle x = 1 {\displaystyle x=1} gut nach (besser als jede andere lineare Funktion). Die relative VerĂ€nderung Î Î g Î Î x {\displaystyle {\tfrac {\Delta g}{\Delta x}}} hat ĂŒberall den Wert m = 2 {\displaystyle m=2} . Die nicht so einfach zu ermittelnde relative VerĂ€nderung Î Î f Î Î x {\displaystyle {\tfrac {\Delta f}{\Delta x}}} stimmt aber im BerĂŒhrpunkt mit dem Wert m = 2 {\displaystyle m=2} ĂŒberein.
Es lÀsst sich also festhalten:
⹠Nicht-lineare Funktionen: Soll die relative VerÀnderung einer nicht-linearen Funktion in einem bestimmten Punkt ermittelt werden, so wird sie (wenn möglich) dort linear genÀhert. Die Steigung der linearen NÀherungsfunktion ist die an dieser Stelle vorliegende Steigung der betrachteten nicht-linearen Funktion, und es gilt dieselbe Anschauung wie bei Ableitungen linearer Funktionen. Dabei ist nur zu beachten, dass sich die relative VerÀnderung einer nicht-linearen Funktion von Punkt zu Punkt Àndert.
WĂ€hrend im Beispiel oben (Fahrzeugbewegung) fĂŒr die durchschnittliche Geschwindigkeit die Zeitspanne Î Î t {\displaystyle \Delta t} angemessen willkĂŒrlich gewĂ€hlt werden kann, ist die momentane Geschwindigkeit, wenn sie verĂ€nderlich ist, nur fĂŒr kleine Î Î t {\displaystyle \Delta t} angebbar. Wie klein Î Î t {\displaystyle \Delta t} gewĂ€hlt werden muss, hĂ€ngt ab von der Anforderung an die QualitĂ€t der NĂ€herung. In mathematischer Perfektion wird sie infinitesimal. Bei dieser wird fĂŒr die relative VerĂ€nderung (wie schon oben angegeben) anstelle des Differenzenquotienten Î Î y Î Î x {\displaystyle {\tfrac {\Delta y}{\Delta x}}} der Differenzialquotient d y d x {\displaystyle {\tfrac {\mathrm {d} y}{\mathrm {d} x}}} geschrieben (in vereinfachter Schreibweise y âČ {\displaystyle y'} oder f âČ {\displaystyle f'} ).
Die Gewinnung der linearen NĂ€herung einer nicht-linearen Funktion an einer bestimmten Stelle ist zentrale Aufgabe des KalkĂŒls der Differentialrechnung. Bei einer mathematisch angebbaren Funktion (im Beispiel war das f ( x ) = x 2 {\displaystyle f(x)=x^{2}} ) sollte sich die Ableitung ausrechnen lassen. Im Idealfall ist diese Berechnung sogar so allgemein, dass sie auf alle Punkte des Definitionsbereichs angewendet werden kann. Im Falle von f ( x ) = x 2 {\displaystyle f(x)=x^{2}} besitzt jede Stelle x {\displaystyle x} als beste lineare NĂ€herung die Steigung m = 2 x {\displaystyle m=2x} . Mit der Zusatzinformation, dass die lineare Funktion mit der Kurve im Punkt ( x 0 , f ( x 0 ) ) {\displaystyle (x_{0},f(x_{0}))} ĂŒbereinstimmen muss, kann dann die vollstĂ€ndige Funktionsgleichung der linearen NĂ€herungsfunktion aufgestellt werden.
Der Ansatz zur Bestimmung des Differentialquotienten liegt in der Berechnung des Grenzwerts (wie oben bei der momentanen Geschwindigkeit):
lim Î Î x â â 0 f ( x 0 + Î Î x ) â â f ( x 0 ) Î Î x = f âČ ( x 0 ) {\displaystyle \lim _{\Delta x\to 0}{\frac {f(x_{0}+\Delta x)-f(x_{0})}{\Delta x}}=f'(x_{0})\quad } oder in anderer Schreibweise lim h â â 0 f ( x + h ) â â f ( x ) h = f âČ ( x ) . {\displaystyle \quad \lim _{h\to 0}{\frac {f(x+h)-f(x)}{h}}=f'(x).}
Bei einigen elementaren Funktionen wie Potenzfunktion, Exponentialfunktion, Logarithmusfunktion oder Sinusfunktion ist jeweils der Grenzwertprozess durchgefĂŒhrt worden. Dabei ergibt sich jeweils eine Ableitungsfunktion. Darauf aufbauend sind Ableitungsregeln fĂŒr die elementaren und auch fĂŒr weitere Funktionen wie Summen, Produkte oder Verkettungen elementarer Funktionen aufgestellt worden.
Damit werden die GrenzĂŒbergĂ€nge nicht in jeder Anwendung neu vollzogen, sondern fĂŒr die Rechenpraxis werden Ableitungsregeln angewendet. Die âKunstâ der Differentialrechnung besteht ânurâ darin, kompliziertere Funktionen zu strukturieren und auf die Strukturelemente die jeweils zutreffende Ableitungsregel anzuwenden. Ein Beispiel folgt weiter hinten.
Berechnung von Grenzwerten
Jeder Differenzialquotient an einer vorgesehenen Stelle erscheint als unbestimmter Ausdruck vom Typ â 0 0 {\displaystyle {\tfrac {0}{0}}} â. Zu seiner Berechnung wird vom Differenzenquotient ausgegangen, und dessen Verhalten in der Umgebung der vorgesehenen Stelle wird dahingehend untersucht, ob er die Tendenz hat, einen bestimmten Wert anzunehmen. Einige Grenzwerte, die fĂŒr Ableitungsregeln benötigt werden, werden nachfolgend hergeleitet. SelbstverstĂ€ndlich dĂŒrfen dazu keine Regeln der Differenzialrechnung verwendet werden, da diese erst nach der Kenntnis der Grenzwerte aufgestellt werden können.
Ein einfacher Fall 1 f ( x ) = x 2 {\displaystyle \quad f(x)=x^{2}}
Ausgangspunkt ist der Differenzenquotient fĂŒr die vorgesehene Funktion.
Î Î f Î Î x = f ( x + h ) â â f ( x ) ( x + h ) â â x = ( x + h ) 2 â â x 2 h {\displaystyle {\frac {\Delta f}{\Delta x}}={\frac {f(x+h)-f(x)}{(x+h)-x}}={\frac {(x+h)^{2}-x^{2}}{h}}}
Wird die binomische Formel ( x + h ) 2 = x 2 + 2 x h + h 2 {\displaystyle (x+h)^{2}=x^{2}+2xh+h^{2}} eingesetzt, so kĂŒrzt sich ein Summand heraus.
Î Î f Î Î x = x 2 + 2 x h + h 2 â â x 2 h = 2 x h + h 2 h {\displaystyle {\frac {\Delta f}{\Delta x}}={\frac {x^{2}+2xh+h^{2}-x^{2}}{h}}={\frac {2xh+h^{2}}{h}}}
FĂŒr h = 0 {\displaystyle h=0} ist dieser Bruch unbestimmt. Aber fĂŒr h â â 0 {\displaystyle h\neq 0} (dann und nur dann!) können ZĂ€hler und Nenner durch h {\displaystyle h} dividiert werden.
Î Î f Î Î x = 2 x + h {\displaystyle {\frac {\Delta f}{\Delta x}}=2x+h}
FĂŒr jedes h â â 0 {\displaystyle h\neq 0} ist dieser Ausdruck bestimmt, auch wenn man dem Wert h = 0 {\displaystyle h=0} nahe kommt. Er strebt im GrenzĂŒbergang gegen
lim h â â 0 Î Î f Î Î x = 2 x {\displaystyle \lim _{h\to 0}{\frac {\Delta f}{\Delta x}}=2x}
Im Weiteren werden hier nur Grenzwerte berechnet, und ihre Einsetzung in Differenzenquotienten erfolgt weiter unten im Abschnitt Ableitungsberechnung.
Fall 2 sin ⥠⥠h h {\displaystyle \quad {\frac {\sin h}{h}}}
FĂŒr h = 0 {\displaystyle h=0} ist dieser Bruch unbestimmt. Zur Berechnung bei h > 0 {\displaystyle h>0} wird die FlĂ€che eines Kreissektors mit dem Bogen h {\displaystyle h} verglichen mit den FlĂ€chen eines innen liegenden und eines auĂen liegenden Dreiecks gemÀà der Zeichnung. Im gezeigten Quadranten gilt offensichtlichcite-ref-3[3]
1 2 sin ⥠⥠h â
â
cos ⥠⥠h < Ï Ï â
â
h 2 Ï Ï < 1 2 tan ⥠⥠h â
â
1 {\displaystyle {\frac {1}{2}}\sin h\cdot \cos h<\pi \cdot {\frac {h}{2\pi }}<{\frac {1}{2}}\tan h\cdot 1}
Bei sin ⥠⥠h â â 0 {\displaystyle \sin h\neq 0} kann diese Ungleichung mit 2 sin ⥠⥠h {\displaystyle {\frac {2}{\sin h}}} multipliziert werden.
cos ⥠⥠h < h sin ⥠⥠h < 1 cos ⥠⥠h {\displaystyle \cos h<{\frac {h}{\sin h}}<{\frac {1}{\cos h}}}
FĂŒr h â â 0 {\displaystyle h\to 0} streben sowohl der linke als auch der rechte Ausdruck gegen eins. Damit muss auch der dazwischen liegende Ausdruck gegen eins streben. FĂŒr seinen Kehrwert gilt das ebenfalls. FĂŒr h > 0 {\displaystyle h>0} strebt er im GrenzĂŒbergang nach
lim h â â 0 sin ⥠⥠h h = 1 {\displaystyle \lim _{h\to 0}{\frac {\sin h}{h}}=1}
ZwischenĂŒberlegung ( 1 + 1 n ) n {\displaystyle \quad \left(1+{\frac {1}{n}}\right)^{n}}
Der Logarithmus dieses Ausdrucks, das ist n â
â
log ⥠⥠( 1 + 1 n ) {\displaystyle n\cdot \log(1+{\frac {1}{n}})} , strebt fĂŒr n â â â â {\displaystyle n\to \infty } gegen â â â â
â
0 {\displaystyle \infty \cdot 0} â. Dieser Logarithmus ist dort unbestimmt und damit auch der Ausdruck selber. Es ist aber bewiesen, dass
lim n â â â â ( 1 + 1 n ) n {\displaystyle \lim _{n\to \infty }\left(1+{\frac {1}{n}}\right)^{n}}
einen bestimmten endlichen Wert annimmt, der als Eulersche Zahl e {\displaystyle \mathrm {e} } bezeichnet wird. Dieses wird unter dem verlinkten Stichwort behandelt und hier als bekannt vorausgesetzt.
Fall 3 a h â â 1 h {\displaystyle \quad {\frac {a^{h}-1}{h}}}
FĂŒr h = 0 {\displaystyle h=0} ist dieser Bruch unbestimmt. Aber fĂŒr a > 1 {\displaystyle a>1} und h > 0 {\displaystyle h>0} ist die Substitutioncite-ref-4[4]
a h â â 1 = 1 z {\displaystyle a^{h}-1={\frac {1}{z}}} , a h = 1 + 1 z {\displaystyle \quad a^{h}=1+{\frac {1}{z}}}
zulĂ€ssig. Aufgelöst nach h {\displaystyle h} unter Verwendung des natĂŒrlichen Logarithmus ergibt das
h = ln ⥠⥠( 1 + 1 z ) ln ⥠⥠a {\displaystyle h={\frac {\ln(1+{\frac {1}{z}})}{\ln a}}}
a h â â 1 h = ln ⥠⥠a z ln ⥠⥠( 1 + 1 z ) = ln ⥠⥠a ln ⥠⥠( 1 + 1 z ) z {\displaystyle {\frac {a^{h}-1}{h}}={\frac {\ln a}{z\,\ln(1+{\frac {1}{z}})}}={\frac {\ln a}{\ln \left(1+{\frac {1}{z}}\right)^{z}}}}
FĂŒr h â â 0 {\displaystyle h\to 0} streben z â â â â {\displaystyle z\to \infty } und der Nenner gegen ln ⥠⥠e = 1 {\displaystyle \ln \mathrm {e} =1} . FĂŒr jedes h > 0 {\displaystyle h>0} ist dieser Ausdruck bestimmt, auch wenn man dem Wert h = 0 {\displaystyle h=0} nahe kommt. Er strebt im GrenzĂŒbergang nach
lim h â â 0 a h â â 1 h = ln ⥠⥠a {\displaystyle \lim _{h\to 0}{\frac {a^{h}-1}{h}}=\ln a}
Als Voraussetzung fĂŒr diese Herleitung muss z {\displaystyle z} positiv sein. FĂŒr 0 < a < 1 {\displaystyle 0<a<1} ist dieses erfĂŒllt mit negativem h {\displaystyle h} . NĂ€hert man sich bei 0 < a < 1 {\displaystyle 0<a<1} dem Wert h = 0 {\displaystyle h=0} von der Seite h < 0 {\displaystyle h<0} her, so gilt derselbe GrenzĂŒbergang.
Fall 4 log ⥠⥠( 1 + h ) h {\displaystyle \quad {\frac {\log(1+h)}{h}}}
FĂŒr h = 0 {\displaystyle h=0} ist dieser Bruch unbestimmt. Aber fĂŒr h > 0 {\displaystyle h>0} ist die Substitution h = 1 z {\displaystyle h={\frac {1}{z}}} zulĂ€ssig.cite-ref-5[5]
log ⥠⥠( 1 + h ) h = z log ⥠⥠( 1 + 1 z ) = log ⥠⥠( 1 + 1 z ) z {\displaystyle {\frac {\log(1+h)}{h}}=z\,\log \left(1+{\frac {1}{z}}\right)=\log \left(1+{\frac {1}{z}}\right)^{z}}
FĂŒr h â â 0 {\displaystyle h\to 0} strebt z â â â â {\displaystyle z\to \infty } . FĂŒr jedes h > 0 {\displaystyle h>0} ist dieser Ausdruck bestimmt, auch wenn man dem Wert h = 0 {\displaystyle h=0} nahe kommt. Er strebt im GrenzĂŒbergang nach
lim h â â 0 log ⥠⥠( 1 + h ) h = log ⥠⥠e {\displaystyle \lim _{h\to 0}{\frac {\log(1+h)}{h}}=\log \mathrm {e} }
Einordnung der Anwendungsmöglichkeiten
Extremwertprobleme
â
Hauptartikel
:
Extremwertproblem
Eine wichtige Anwendung der Differentialrechnung besteht darin, dass mit Hilfe der Ableitung lokale Extremwerte einer Kurve bestimmt werden können. Anstatt also anhand einer Wertetabelle mechanisch nach Hoch- oder Tiefpunkten suchen zu mĂŒssen, liefert der KalkĂŒl in einigen FĂ€llen eine direkte Antwort. Liegt ein Hoch- oder Tiefpunkt vor, so besitzt die Kurve an dieser Stelle keinen âechtenâ Anstieg, weshalb die optimale Linearisierung eine Steigung von 0 besitzt. FĂŒr die genaue Klassifizierung eines Extremwertes sind jedoch weitere lokale Daten der Kurve notwendig, denn eine Steigung von 0 ist nicht hinreichend fĂŒr die Existenz eines Extremwertes (geschweige denn eines Hoch- oder Tiefpunktes).
In der Praxis treten Extremwertprobleme typischerweise dann auf, wenn Prozesse, zum Beispiel in der Wirtschaft, optimiert werden sollen. Oft liegen an den Randwerten jeweils ungĂŒnstige Ergebnisse, in Richtung âMitteâ kommt es aber zu einer stetigen Steigerung, die dann irgendwo maximal werden muss. Zum Beispiel die optimale Wahl eines Verkaufspreises: Bei einem zu geringen Preis ist die Nachfrage nach einem Produkt zwar sehr groĂ, aber die Produktion kann nicht finanziert werden. Ist er andererseits zu hoch, so wird es im Extremfall gar nicht mehr gekauft. Daher liegt ein Optimum irgendwo âin der Mitteâ. Voraussetzung dabei ist, dass der Zusammenhang in Form einer (stetig) differenzierbaren Funktion wiedergegeben werden kann.
Die Untersuchung einer Funktion auf Extremstellen ist Teil einer Kurvendiskussion. Die mathematischen HintergrĂŒnde sind im Abschnitt Anwendung höherer Ableitungen bereitgestellt.
Mathematische Modellierung
In der mathematischen Modellierung sollen komplexe Probleme in mathematischer Sprache erfasst und analysiert werden. Je nach Fragestellung sind das Untersuchen von Korrelationen oder KausalitĂ€ten oder auch das Geben von Prognosen im Rahmen dieses Modells zielfĂŒhrend.
Besonders im Umfeld sog. Differentialgleichungen ist die Differentialrechnung zentrales Werkzeug bei der Modellierung. Diese Gleichungen treten zum Beispiel auf, wenn es eine kausale Beziehung zwischen dem Bestand einer GröĂe und deren zeitlicher VerĂ€nderung gibt. Ein alltĂ€gliches Beispiel könnte sein:
Je mehr Einwohner eine Stadt besitzt, desto mehr Leute wollen dort hinziehen.
Etwas konkreter könnte dies zum Beispiel heiĂen, dass bei 1 000 000 {\displaystyle 1\,000\,000} jetzigen Einwohnern durchschnittlich 1 000 000 {\displaystyle 1\,000\,000} Personen in den kommenden 10 Jahren zuziehen werden, bei 1 000 001 {\displaystyle 1\,000\,001} Einwohnern durchschnittlich 1 000 001 {\displaystyle 1\,000\,001} Personen in den kommenden 10 Jahren usw. â um nicht alle Zahlen einzeln ausfĂŒhren zu mĂŒssen: Leben n {\displaystyle n} Personen in der Stadt, so wollen so viele Menschen hinzuziehen, dass nach 10 Jahren weitere n {\displaystyle n} hinzukommen wĂŒrden. Besteht eine derartige KausalitĂ€t zwischen Bestand und zeitlicher VerĂ€nderung, so kann gefragt werden, ob aus diesen Daten eine Prognose fĂŒr die Einwohnerzahl nach 10 Jahren abgeleitet werden kann, wenn die Stadt im Jahr 2020 zum Beispiel 1 000 000 {\displaystyle 1\,000\,000} Einwohner hatte. Es wĂ€re dabei falsch zu glauben, dass dies 2 000 000 {\displaystyle 2\,000\,000} sein werden, da sich mit steigender Einwohnerzahl auch die Nachfrage nach Wohnraum wiederum zunehmend steigern wird. Der Knackpunkt zum VerstĂ€ndnis des Zusammenhangs ist demnach erneut dessen LokalitĂ€t: Besitzt die Stadt 1 000 000 {\displaystyle 1\,000\,000} Einwohner, so wollen zu diesem Zeitpunkt 1 000 000 {\displaystyle 1\,000\,000} Menschen pro 10 Jahre hinzuziehen. Aber einen kurzen Augenblick spĂ€ter, wenn weitere Menschen hinzugezogen sind, sieht die Lage wieder anders aus. Wird dieses PhĂ€nomen zeitlich beliebig engmaschig gedacht, ergibt sich ein âdifferentiellerâ Zusammenhang. Allerdings eignet sich die kontinuierliche Herangehensweise in vielen FĂ€llen auch bei diskreten Problemstellungen.cite-ref-6[6]
Mit Hilfe der Differentialrechnung kann aus so einem kausalen Zusammenhang zwischen Bestand und VerĂ€nderung in vielen FĂ€llen ein Modell hergeleitet werden, was den komplexen Zusammenhang auflöst, und zwar in dem Sinne, dass zum Schluss eine Bestandsfunktion explizit angegeben werden kann. Setzt man in diese Funktion dann zum Beispiel den Wert 10 Jahre ein, so ergibt sich eine Prognose fĂŒr die Stadtbewohneranzahl im Jahr 2030. Im Falle oberen Modells wird eine Bestandsfunktion B {\displaystyle B} gesucht mit B ( t ) = B âČ ( t ) {\displaystyle B(t)=B'(t)} , t {\displaystyle t} in 10 Jahren und B ( 0 ) = 1 000 000 {\displaystyle B(0)=1\,000\,000} . Die Lösung ist dann
B ( t ) = 1 000 000 e t {\displaystyle B(t)=1\,000\,000\,e^{t}}
mit der natĂŒrlichen Exponentialfunktion (natĂŒrlich bedeutet, dass der ProportionalitĂ€tsfaktor zwischen Bestand und VerĂ€nderung einfach gleich 1 ist) und fĂŒr das Jahr 2030 lautet die geschĂ€tzte Prognose B ( 1 ) â â 2,718 {\displaystyle B(1)\approx 2{,}718} Mio. Einwohner. Die ProportionalitĂ€t zwischen Bestand und Ănderungsrate fĂŒhrt also zu exponentiellem Wachstum und ist klassisches Beispiel eines selbstverstĂ€rkenden Effektes. Analoge Modelle funktionieren beim Populationswachstum (Je mehr Individuen, desto mehr Geburten) oder der Verbreitung einer ansteckenden Krankheit (Je mehr Erkrankte, desto mehr Ansteckungen). In vielen FĂ€llen stoĂen diese Modelle jedoch an eine Grenze, wenn sich der Prozess aufgrund natĂŒrlicher BeschrĂ€nkungen (wie eine Obergrenze der Gesamtbevölkerung) nicht beliebig fortsetzen lĂ€sst. In diesen FĂ€llen sind Ă€hnliche Modelle, wie das logistische Wachstum, geeigneter.cite-ref-7[7]
Numerische Verfahren
Die Eigenschaft einer Funktion, differenzierbar zu sein, ist bei vielen Anwendungen von Vorteil, da dies der Funktion mehr Struktur verleiht. Ein Beispiel ist das Lösen von Gleichungen. Bei einigen mathematischen Anwendungen ist es notwendig, den Wert einer (oder mehrerer) Unbekannten x {\displaystyle x} zu finden, die Nullstelle einer Funktion f {\displaystyle f} ist. Es ist dann f ( x ) = 0 {\displaystyle f(x)=0} . Je nach Beschaffenheit von f {\displaystyle f} können Strategien entwickelt werden, eine Nullstelle zumindest nĂ€herungsweise anzugeben, was in der Praxis meist vollkommen ausreicht. Ist f {\displaystyle f} in jedem Punkt differenzierbar mit Ableitung f âČ {\displaystyle f'} , so kann in vielen FĂ€llen das Newton-Verfahren helfen. Bei diesem spielt die Differentialrechnung insofern eine direkte Rolle, als beim schrittweisen Vorgehen immer wieder eine Ableitung explizit berechnet werden muss.cite-ref-8[8]
Ein weiterer Vorteil der Differentialrechnung ist, dass in vielen FĂ€llen komplizierte Funktionen, wie Wurzeln oder auch Sinus und Kosinus, anhand einfacher Rechenregeln wie Addition und Multiplikation gut angenĂ€hert werden können. Ist die Funktion an einem benachbarten Wert leicht auszuwerten, ist dies von groĂem Nutzen. Wird zum Beispiel nach einem NĂ€herungswert fĂŒr die Zahl 26 {\displaystyle {\sqrt {26}}} gesucht, so liefert die Differentialrechnung fĂŒr f ( x ) = x {\displaystyle f(x)={\sqrt {x}}} die Linearisierung
f ( 25 + h ) â â f ( 25 ) + h f âČ ( 25 ) = 25 + h 2 25 = 5 + h 10 , {\displaystyle f(25+h)\approx f(25)+hf'(25)={\sqrt {25}}+{\frac {h}{2{\sqrt {25}}}}=5+{\frac {h}{10}},}
denn es gilt nachweislich f âČ ( x ) = 1 2 x {\displaystyle f'(x)={\tfrac {1}{2{\sqrt {x}}}}} . Sowohl Funktion als auch erste Ableitung konnten an der Stelle 25 {\displaystyle 25} gut berechnet werden, weil es sich dabei um eine Quadratzahl handelt. Einsetzen von h = 1 {\displaystyle h=1} ergibt 26 â â 5 + 1 10 = 5 , 1 {\displaystyle {\sqrt {26}}\approx 5+{\tfrac {1}{10}}=5{,}1} , was mit dem exakten Ergebnis 26 = 5,099 01 ⊠⊠{\displaystyle {\sqrt {26}}=5{,}09901\dots } bis auf einen Fehler kleiner als 1 1000 {\displaystyle {\tfrac {1}{1000}}} ĂŒbereinstimmt.cite-ref-9[9] Unter Einbezug höherer Ableitungen kann die Genauigkeit solcher Approximationen zusĂ€tzlich gesteigert werden, da dann nicht nur linear, sondern quadratisch, kubisch usw. angenĂ€hert wird, siehe auch Taylor-Reihe.
Reine Mathematik
Auch in der reinen Mathematik spielt die Differentialrechnung als ein Kern der Analysis eine bedeutende Rolle. Ein Beispiel ist die Differentialgeometrie, die sich mit Figuren beschĂ€ftigt, die eine differenzierbare OberflĂ€che (ohne Knicke usw.) haben. Zum Beispiel kann auf eine KugeloberflĂ€che in jedem Punkt tangential eine Ebene platziert werden. Anschaulich: Steht man an einem Erdpunkt, so hat man das GefĂŒhl, die Erde sei flach, wenn man seinen Blick in der Tangentialebene schweifen lĂ€sst. In Wahrheit ist die Erde jedoch nur lokal flach: Die angelegte Ebene dient der (durch Linearisierung) vereinfachten Darstellung der komplizierteren KrĂŒmmung. Global hat sie als KugeloberflĂ€che eine völlig andere Gestalt.
Die Methoden der Differentialgeometrie sind Ă€uĂerst bedeutend fĂŒr die theoretische Physik. So können PhĂ€nomene wie KrĂŒmmung oder Raumzeit ĂŒber Methoden der Differentialrechnung beschrieben werden. Auch die Frage, was der kĂŒrzeste Abstand zwischen zwei Punkten auf einer gekrĂŒmmten FlĂ€che (zum Beispiel der ErdoberflĂ€che) ist, kann mit diesen Techniken formuliert und oft auch beantwortet werden.
Auch bei der Erforschung von Zahlen als solchen, also im Rahmen der Zahlentheorie, hat sich die Differentialrechnung in der analytischen Zahlentheorie bewĂ€hrt. Die grundlegende Idee der analytischen Zahlentheorie ist die Umwandlung von bestimmten Zahlen, ĂŒber die man etwas lernen möchte, in Funktionen. Haben diese Funktionen âgute Eigenschaftenâ wie etwa Differenzierbarkeit, so hofft man, ĂŒber die damit einhergehenden Strukturen RĂŒckschlĂŒsse auf die ursprĂŒnglichen Zahlen ziehen zu können. Es hat sich dabei hĂ€ufig bewĂ€hrt, zur Perfektionierung der Analysis von den reellen zu den komplexen Zahlen ĂŒberzugehen (siehe auch komplexe Analysis), also die Funktionen ĂŒber einem gröĂeren Zahlenbereich zu studieren. Ein Beispiel ist die Analyse der Fibonacci-Zahlen 0 , 1 , 1 , 2 , 3 , 5 , 8 , 13 , 21 , ⊠⊠{\displaystyle 0,1,1,2,3,5,8,13,21,\dots } , deren Bildungsgesetz vorschreibt, dass eine neue Zahl stets aus der Summe der beiden vorangehenden entstehen soll. Ansatz der analytischen Zahlentheorie ist die Bildung der erzeugenden Funktion
F ( x ) = 0 + 1 x + 1 x 2 + 2 x 3 + 3 x 4 + 5 x 5 + 8 x 6 + 13 x 7 + ⯠⯠, {\displaystyle F(x)=0+1x+1x^{2}+2x^{3}+3x^{4}+5x^{5}+8x^{6}+13x^{7}+\dotsb ,}
also eines âunendlich langenâ Polynoms (einer sog. Potenzreihe), dessen Koeffizienten genau die Fibonacci-Zahlen sind. FĂŒr hinreichend kleine Zahlen x {\displaystyle x} ist dieser Ausdruck sinnvoll, weil die Potenzen x n {\displaystyle x^{n}} dann viel schneller gegen 0 gehen als die Fibonacci-Zahlen gegen Unendlich, womit sich langfristig alles bei einem endlichen Wert einpendelt. Es ist fĂŒr diese Werte möglich, die Funktion F {\displaystyle F} explizit zu berechnen durch
F ( x ) = x 1 â â x â â x 2 . {\displaystyle F(x)={\frac {x}{1-x-x^{2}}}.}
Das Nennerpolynom 1 â â x â â x 2 {\displaystyle 1-x-x^{2}} âspiegeltâ dabei genau das Verhalten f n â â f n â â 1 â â f n â â 2 = 0 {\displaystyle f_{n}-f_{n-1}-f_{n-2}=0} der Fibonacci-Zahlen f n {\displaystyle f_{n}} âwiderâ â es ergibt sich in der Tat F ( x ) â â x F ( x ) â â x 2 F ( x ) = x {\displaystyle F(x)-xF(x)-x^{2}F(x)=x} durch termweises Verrechnen. Mit Hilfe der Differentialrechnung lĂ€sst sich andererseits zeigen, dass die Funktion F {\displaystyle F} ausreicht, um die Fibonacci-Zahlen (ihre Koeffizienten) eindeutig zu charakterisieren. Da es sich aber um eine schlichte rationale Funktion handelt, lĂ€sst sich dadurch die fĂŒr jede Fibonacci-Zahl f n {\displaystyle f_{n}} gĂŒltige exakte Formel
f n = Ί Ί n â â ( â â 1 Ί Ί ) n 5 {\displaystyle f_{n}={\frac {\Phi ^{n}-\left(-{\frac {1}{\Phi }}\right)^{n}}{\sqrt {5}}}}
mit dem goldenen Schnitt Ί Ί = 1 + 5 2 {\displaystyle \Phi ={\tfrac {1+{\sqrt {5}}}{2}}} herleiten, wenn f 0 = 0 , f 1 = 1 {\displaystyle f_{0}=0,f_{1}=1} und f n = f n â â 1 + f n â â 2 {\displaystyle f_{n}=f_{n-1}+f_{n-2}} gesetzt wird. Die exakte Formel vermag eine Fibonacci-Zahl zu berechnen, ohne die vorherigen zu kennen. Der Schluss wird ĂŒber einen sog. Koeffizientenvergleich gezogen und nutzt aus, dass das Polynom x 2 + x â â 1 {\displaystyle x^{2}+x-1} als Nullstellen â â Ί Ί {\displaystyle -\Phi } und 1 Ί Ί {\displaystyle {\tfrac {1}{\Phi }}} besitzt.cite-ref-10[10]
Der höherdimensionale Fall
Die Differentialrechnung kann auf den Fall âhöherdimensionaler Funktionenâ verallgemeinert werden. Damit ist gemeint, dass sowohl Eingabe- als auch Ausgabewerte der Funktion nicht bloĂ Teil des eindimensionalen reellen Zahlenstrahls, sondern auch Punkte eines höherdimensionalen Raums sind. Ein Beispiel ist die Vorschrift
( x y ) ⊠⊠( x 2 + y 2 x 2 â â 2 y ) {\displaystyle \left({x \atop y}\right)\mapsto \left({x^{2}+y^{2} \atop x^{2}-2y}\right)}
zwischen jeweils zweidimensionalen RĂ€umen. Das FunktionsverstĂ€ndnis als Tabelle bleibt hier identisch, nur dass diese mit âvier Spaltenâ ( x , y , x 2 + y 2 , x 2 â â 2 y ) {\displaystyle (x,y,x^{2}+y^{2},x^{2}-2y)} âdeutlich mehrâ EintrĂ€ge besitzt. Auch mehrdimensionale Abbildungen können in manchen FĂ€llen an einem Punkt linearisiert werden. Allerdings ist dabei nun angemessen zu beachten, dass es sowohl mehrere Eingabedimensionen als auch mehrere Ausgabedimensionen geben kann: Der korrekte Verallgemeinerungsweg liegt darin, dass die Linearisierung in jeder Komponente der Ausgabe jede Variable auf lineare Weise berĂŒcksichtigt. Das zieht fĂŒr obere Beispielfunktion eine Approximation der Form
f ( x , y ) := ( x 2 + y 2 x 2 â â 2 y ) â â ( m 1 ( x â â x 0 ) + m 2 ( y â â y 0 ) + c 1 m 3 ( x â â x 0 ) + m 4 ( y â â y 0 ) + c 2 ) {\displaystyle f(x,y):=\left({x^{2}+y^{2} \atop x^{2}-2y}\right)\approx \left({m_{1}(x-x_{0})+m_{2}(y-y_{0})+c_{1} \atop m_{3}(x-x_{0})+m_{4}(y-y_{0})+c_{2}}\right)}
nach sich. Diese ahmt dann die gesamte Funktion in der NĂ€he der Eingabe ( x 0 , y 0 ) {\displaystyle (x_{0},y_{0})} sehr gut nach.cite-ref-11[11] In jeder Komponente wird demnach fĂŒr jede Variable eine âSteigungâ angegeben â diese wird dann das lokale Verhalten der Komponentenfunktion bei kleiner Ănderung in dieser Variablen messen. Diese Steigung wird auch als partielle Ableitung bezeichnet.cite-ref-12[12] Die korrekten konstanten Abschnitte c 1 , c 2 {\displaystyle c_{1},c_{2}} berechnen sich exemplarisch durch c 1 = x 0 2 + y 0 2 {\displaystyle c_{1}=x_{0}^{2}+y_{0}^{2}} bzw. c 2 = x 0 2 â â 2 y 0 {\displaystyle c_{2}=x_{0}^{2}-2y_{0}} . Wie auch im eindimensionalen Fall hĂ€ngen die Steigungen (hier m 1 , m 2 , m 3 , m 4 {\displaystyle m_{1},m_{2},m_{3},m_{4}} ) stark von der Wahl des Punktes (hier ( x 0 , y 0 ) {\displaystyle (x_{0},y_{0})} ) ab, an dem abgeleitet wird. Die Ableitung ist demnach keine Zahl mehr, sondern ein Verband aus mehreren Zahlen â in diesem Beispiel sind es vier â und diese Zahlen sind im Regelfall bei allen Eingaben unterschiedlich. Es wird allgemein fĂŒr die Ableitung auch
f âČ ( x 0 , y 0 ) = ( m 1 m 2 m 3 m 4 ) {\displaystyle f'(x_{0},y_{0})={\begin{pmatrix}m_{1}&m_{2}\\m_{3}&m_{4}\end{pmatrix}}}
geschrieben, womit alle âSteigungenâ in einer sog. Matrix versammelt sind. Man bezeichnet diesen Term auch als Jacobi-Matrix oder Funktionalmatrix.cite-ref-13[13]
Beispiel: Wird oben ( x 0 , y 0 ) = ( 1 , 0 ) {\displaystyle (x_{0},y_{0})=(1,0)} gesetzt, so kann man zeigen, dass folgende lineare Approximation bei sehr kleinen Ănderungen von x {\displaystyle x} und y {\displaystyle y} sehr gut ist:
f ( x , y ) = ( x 2 + y 2 x 2 â â 2 y ) â â ( 2 x â â 1 2 x â â 2 y â â 1 ) . {\displaystyle f(x,y)=\left({x^{2}+y^{2} \atop x^{2}-2y}\right)\approx \left({2x-1 \atop 2x-2y-1}\right).}
Zum Beispiel gilt
f ( 1,003 ; 0,002 ) = ( 1,006 013 1,002 009 ) {\displaystyle f(1{,}003;0{,}002)=\left({1{,}006013 \atop 1{,}002009}\right)}
und
( 2 â
â
1,003 â â 1 2 â
â
1,003 â â 2 â
â
0,002 â â 1 ) = ( 1,006 1,002 ) . {\displaystyle \left({2\cdot 1{,}003-1 \atop 2\cdot 1{,}003-2\cdot 0{,}002-1}\right)=\left({1{,}006 \atop 1{,}002}\right).}
Hat man im ganz allgemeinen Fall n {\displaystyle n} Variablen und m {\displaystyle m} Ausgabekomponenten, so gibt es kombinatorisch gesehen insgesamt n â
â
m {\displaystyle n\cdot m} âSteigungenâ, also partielle Ableitungen. Im klassischen Fall n = m = 1 {\displaystyle n=m=1} gibt es wegen 1 â
â
1 = 1 {\displaystyle 1\cdot 1=1} eine Steigung f âČ ( x 0 ) {\displaystyle f'(x_{0})} und im oberen Beispiel n = m = 2 {\displaystyle n=m=2} sind es 2 â
â
2 = 4 {\displaystyle 2\cdot 2=4} âSteigungenâ.cite-ref-14[14]
Geschichte
â
Hauptartikel
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Infinitesimalrechnung#Geschichte
Die Aufgabenstellung der Differentialrechnung bildete sich als Tangentenproblem ab dem 17. Jahrhundert heraus. Hierunter versteht man die Aufgabe, bei einer beliebigen Kurve in einem beliebigen Punkt die Tangente zu bestimmen.cite-ref-15[15] Ein naheliegender Lösungsansatz bestand darin, die Tangente an eine Kurve durch ihre Sekante ĂŒber einem endlichen (endlich heiĂt hier: gröĂer als null), aber beliebig kleinen Intervall zu approximieren. Dabei war die technische Schwierigkeit zu ĂŒberwinden, mit einer solchen infinitesimal kleinen Intervallbreite zu rechnen. Die ersten AnfĂ€nge der Differentialrechnung gehen auf Pierre de Fermat zurĂŒck. Er entwickelte um 1628 eine Methode, Extremstellen algebraischer Terme zu bestimmen und Tangenten an Kegelschnitte und andere Kurven zu berechnen. Seine âMethodeâ war rein algebraisch. Fermat betrachtete keine GrenzĂŒbergĂ€nge und schon gar keine Ableitungen. Gleichwohl lĂ€sst sich seine âMethodeâ mit modernen Mitteln der Analysis interpretieren und rechtfertigen, und sie hat Mathematiker wie Newton und Leibniz nachweislich inspiriert. Einige Jahre spĂ€ter wĂ€hlte RenĂ© Descartes einen anderen algebraischen Zugang, indem er an eine Kurve einen Kreis anlegte. Dieser schneidet die Kurve in zwei nahe beieinanderliegenden Punkten; es sei denn, er berĂŒhrt die Kurve. Dieser Ansatz ermöglichte es ihm, fĂŒr spezielle Kurven die Steigung der Tangente zu bestimmen.cite-ref-16[16]
Ende des 17. Jahrhunderts gelang es Isaac Newton und Gottfried Wilhelm Leibniz mit unterschiedlichen AnsĂ€tzen unabhĂ€ngig voneinander, widerspruchsfrei funktionierende KalkĂŒle zu entwickeln. WĂ€hrend Newton das Problem physikalisch ĂŒber das Momentangeschwindigkeitsproblem anging,cite-ref-17[17] löste es Leibniz geometrisch ĂŒber das Tangentenproblem. Ihre Arbeiten erlaubten das Abstrahieren von rein geometrischer Vorstellung und werden deshalb als Beginn der Analysis betrachtet. Bekannt wurden sie vor allem durch das Buch Analyse des Infiniment Petits pour lâIntelligence des Lignes Courbescite-ref-18[18] des Adligen Guillaume François Antoine, Marquis de LâHospital, der bei Johann I Bernoulli Privatunterricht nahm und dessen Forschung zur Analysis so publizierte. Darin heiĂt es:
âDie Reichweite dieses KalkĂŒls ist unermesslich: Er lĂ€sst sich sowohl auf mechanische als auch geometrische Kurven anwenden; Wurzelzeichen bereiten ihm keine Schwierigkeiten und sind oftmals sogar angenehm im Umgang; er lĂ€sst sich auf so viele Variablen erweitern, wie man sich nur wĂŒnschen kann; der Vergleich unendlich kleiner GröĂen aller Art gelingt mĂŒhelos. Und er erlaubt eine unendliche Zahl an ĂŒberraschenden Entdeckungen ĂŒber gekrĂŒmmte wie geradlinige Tangenten, Fragen De maximis & minimis, Wendepunkte und Spitzen von Kurven, Evoluten, Spiegelungs- und Brechungskaustiken, &c. wie wir in diesem Buch sehen werden.âcite-ref-19[19]
Die heute bekannten Ableitungsregeln basieren vor allem auf den Werken von Leonhard Euler, der den Funktionsbegriff prÀgte.
Newton und Leibniz arbeiteten mit beliebig kleinen positiven Zahlen.cite-ref-20[20] Dies wurde bereits von Zeitgenossen als unlogisch kritisiert, beispielsweise von George Berkeley in der polemischen Schrift The analyst; or, a discourse addressed to an infidel mathematician.cite-ref-21[21] Erst in den 1960ern konnte Abraham Robinson diese Verwendung infinitesimaler GröĂen mit der Entwicklung der Nichtstandardanalysis auf ein mathematisch-axiomatisch sicheres Fundament stellen. Trotz der herrschenden Unsicherheit wurde die Differentialrechnung aber konsequent weiterentwickelt, in erster Linie wegen ihrer zahlreichen Anwendungen in der Physik und in anderen Gebieten der Mathematik. Symptomatisch fĂŒr die damalige Zeit war das von der PreuĂischen Akademie der Wissenschaften 1784 veröffentlichte Preisausschreiben:
â[âŠ] Die höhere Geometrie benutzt hĂ€ufig unendlich groĂe und unendlich kleine GröĂen; jedoch haben die alten Gelehrten das Unendliche sorgfĂ€ltig vermieden, und einige berĂŒhmte Analysten unserer Zeit bekennen, dass die Wörter unendliche GröĂe widerspruchsvoll sind. Die Akademie verlangt also, dass man erklĂ€re, wie aus einer widersprechenden Annahme so viele richtige SĂ€tze entstanden sind, und dass man einen sicheren und klaren Grundbegriff angebe, welcher das Unendliche ersetzen dĂŒrfte, ohne die Rechnung zu schwierig oder zu lang zu machen [âŠ]âcite-ref-22[22]
Erst zum Anfang des 19. Jahrhunderts gelang es Augustin-Louis Cauchy, der Differentialrechnung die heute ĂŒbliche logische Strenge zu geben, indem er von den infinitesimalen GröĂen abging und die Ableitung als Grenzwert von Sekantensteigungen (Differenzenquotienten) definierte.cite-ref-23[23] Die heute benutzte Definition des Grenzwerts wurde schlieĂlich von Karl WeierstraĂ im Jahr 1861 formuliert.cite-ref-24[24]
Definition
Sekanten- und Tangentensteigung
Ausgangspunkt fĂŒr die Definition der Ableitung ist die NĂ€herung der Tangentensteigung durch eine Sekantensteigung (manchmal auch Sehnensteigung genannt). Gesucht sei die Steigung einer Funktion f {\displaystyle f} in einem Punkt ( x 0 , f ( x 0 ) ) {\displaystyle (x_{0},f(x_{0}))} . Man berechnet zunĂ€chst die Steigung der Sekante an f {\displaystyle f} ĂŒber einem endlichen Intervall [ x 0 , x 0 + Î Î x ] {\displaystyle [x_{0},x_{0}+\Delta x]} der LĂ€nge Î Î x {\displaystyle \Delta x} :
Sekantensteigung = f ( x 0 + Î Î x ) â â f ( x 0 ) ( x 0 + Î Î x ) â â x 0 = f ( x 0 + Î Î x ) â â f ( x 0 ) Î Î x {\displaystyle {\frac {f(x_{0}+\Delta x)-f(x_{0})}{(x_{0}+\Delta x)-x_{0}}}={\frac {f(x_{0}+\Delta x)-f(x_{0})}{\Delta x}}} .
Die Sekantensteigung ist also der Quotient zweier Differenzen; sie wird deshalb auch Differenzenquotient genannt. Mit der Kurznotation Î Î y {\displaystyle \Delta y} fĂŒr f ( x 0 + Î Î x ) â â f ( x 0 ) {\displaystyle f(x_{0}+\Delta x)-f(x_{0})} kann man die Sekantensteigung abgekĂŒrzt als Î Î y Î Î x {\displaystyle {\tfrac {\Delta y}{\Delta x}}} schreiben. Der Ausdruck Î Î x {\displaystyle \Delta x} verdeutlicht also die beliebig klein werdende Differenz zwischen der Stelle, an der abgeleitet werden soll, und einem benachbarten Punkt. In der Literatur wird jedoch, wie auch im Folgenden, in vielen FĂ€llen aus GrĂŒnden der Einfachheit das Symbol h {\displaystyle h} statt Î Î x {\displaystyle \Delta x} verwendet.
Um eine Tangentensteigung zu berechnen, muss man die beiden Punkte, durch die die Sekante gezogen wird, immer weiter aneinander rĂŒcken. Dabei gehen sowohl Î Î x {\displaystyle \Delta x} als auch Î Î y {\displaystyle \Delta y} gegen Null. Der Quotient Î Î y Î Î x {\displaystyle {\tfrac {\Delta y}{\Delta x}}} bleibt aber in vielen FĂ€llen endlich. Auf diesem GrenzĂŒbergang beruht die folgende Definition.
Differenzierbarkeit
â
Hauptartikel
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Differenzierbarkeit
Eine Funktion f : : U â â R {\displaystyle f\colon U\to \mathbb {R} } , die ein offenes Intervall U {\displaystyle U} in die reellen Zahlen abbildet, heiĂt differenzierbar an der Stelle x 0 â â U {\displaystyle x_{0}\in U} , falls der Grenzwert
lim x â â x 0 f ( x ) â â f ( x 0 ) x â â x 0 = lim h â â 0 f ( x 0 + h ) â â f ( x 0 ) h {\displaystyle \lim _{x\to x_{0}}{\frac {f(x)-f(x_{0})}{x-x_{0}}}=\lim _{h\to 0}{\frac {f(x_{0}+h)-f(x_{0})}{h}}} (mit h = x â â x 0 {\displaystyle h=x-x_{0}} )
existiert. Dieser Grenzwert heiĂt Differentialquotient oder Ableitung von f {\displaystyle f} nach x {\displaystyle x} an der Stelle x 0 {\displaystyle x_{0}} und wird als
f âČ ( x 0 ) {\displaystyle f'(x_{0})} oder d f ( x ) d x | x = x 0 {\displaystyle \left.{\frac {\mathrm {d} f(x)}{\mathrm {d} x}}\right|_{x=x_{0}}} oder d f d x ( x 0 ) {\displaystyle {\frac {\mathrm {d} f}{\mathrm {d} x}}(x_{0})} oder d d x f ( x 0 ) {\displaystyle {\frac {\mathrm {d} }{\mathrm {d} x}}f(x_{0})}
notiert.cite-ref-25[25]cite-ref-26[26] Gesprochen werden diese Notationen als âf Strich von x nullâ, âd f von x nach d x an der Stelle x gleich x nullâ, âd f nach d x von x nullâ respektive âd nach d x von f von x nullâ. Im spĂ€ter folgenden Abschnitt Notationen werden noch weitere Varianten angefĂŒhrt, um die Ableitung einer Funktion zu notieren.
Im Laufe der Zeit wurde folgende gleichwertige Definition gefunden, die sich im allgemeineren Kontext komplexer oder mehrdimensionaler Funktionen als leistungsfĂ€higer erwiesen hat: Eine Funktion heiĂt an einer Stelle x 0 {\displaystyle x_{0}} differenzierbar, falls eine Konstante L {\displaystyle L} existiert, sodass
lim h â â 0 f ( x 0 + h ) â â f ( x 0 ) â â L h h = 0. {\displaystyle \lim _{h\to 0}{\frac {f(x_{0}+h)-f(x_{0})-Lh}{h}}=0.}
Der Zuwachs der Funktion f {\displaystyle f} , wenn man sich von x 0 {\displaystyle x_{0}} nur wenig entfernt, etwa um den Wert h {\displaystyle h} , lĂ€sst sich also durch L h {\displaystyle Lh} sehr gut approximieren. Man nennt deshalb die lineare Funktion g : : x ⊠⊠f ( x 0 ) + L ( x â â x 0 ) {\displaystyle g\colon x\mapsto f(x_{0})+L(x-x_{0})} , fĂŒr die also g ( x 0 + h ) = f ( x 0 ) + L h {\displaystyle g(x_{0}+h)=f(x_{0})+Lh} fĂŒr alle h {\displaystyle h} gilt, auch die Linearisierung von f {\displaystyle f} an der Stelle x 0 {\displaystyle x_{0}} .cite-ref-ae318-27-0[27]
Eine weitere Definition ist: Es gibt eine an der Stelle x 0 {\displaystyle x_{0}} stetige Funktion r {\displaystyle r} mit r ( x 0 ) = 0 {\displaystyle r(x_{0})=0} und eine Konstante L {\displaystyle L} , sodass fĂŒr alle x {\displaystyle x} gilt
f ( x ) = f ( x 0 ) + L ( x â â x 0 ) + r ( x ) ( x â â x 0 ) {\displaystyle f(x)=f(x_{0})+L(x-x_{0})+r(x)(x-x_{0})} .
Die Bedingungen r ( x 0 ) = 0 {\displaystyle r(x_{0})=0} und dass r {\displaystyle r} an der Stelle x 0 {\displaystyle x_{0}} stetig ist, bedeuten gerade, dass das âRestgliedâ r ( x ) {\displaystyle r(x)} fĂŒr x {\displaystyle x} gegen x 0 {\displaystyle x_{0}} gegen 0 {\displaystyle 0} konvergiert.cite-ref-ae318-27-1[27]
In beiden FĂ€llen ist die Konstante L {\displaystyle L} eindeutig bestimmt und es gilt f âČ ( x 0 ) = L {\displaystyle f'(x_{0})=L} . Der Vorteil dieser Formulierung ist, dass Beweise einfacher zu fĂŒhren sind, da kein Quotient betrachtet werden muss. Diese Darstellung der besten linearen Approximation wurde schon von Karl WeierstraĂ, Henri Cartan und Jean DieudonnĂ© konsequent angewandt und wird auch WeierstraĂsche Zerlegungsformel genannt.
Bezeichnet man eine Funktion als differenzierbar, ohne sich auf eine bestimmte Stelle zu beziehen, dann bedeutet dies die Differenzierbarkeit an jeder Stelle des Definitionsbereiches, also die Existenz einer eindeutigen Tangente fĂŒr jeden Punkt des Graphen.
Jede differenzierbare Funktion ist stetig, die Umkehrung gilt jedoch nicht.cite-ref-ae318-27-2[27] Noch Anfang des 19. Jahrhunderts war man ĂŒberzeugt, dass eine stetige Funktion höchstens an wenigen Stellen nicht differenzierbar sein könne (wie die Betragsfunktion). Bernard Bolzano konstruierte dann als erster Mathematiker tatsĂ€chlich eine Funktion, die spĂ€ter Bolzanofunktion genannt wurde, die ĂŒberall stetig, aber nirgends differenzierbar ist, was in der Fachwelt allerdings nicht bekannt wurde. Karl WeierstraĂ fand dann in den 1860er Jahren ebenfalls eine derartige Funktion (siehe WeierstraĂ-Funktion), was diesmal unter Mathematikern Wellen schlug. Ein bekanntes mehrdimensionales Beispiel fĂŒr eine stetige, nicht differenzierbare Funktion ist die von Helge von Koch 1904 vorgestellte Koch-Kurve.cite-ref-28[28]
Ableitungsfunktion
Die Ableitung der Funktion f : : U â â R {\displaystyle f\colon U\to \mathbb {R} } an der Stelle x 0 {\displaystyle x_{0}} , bezeichnet mit f âČ ( x 0 ) {\displaystyle f'(x_{0})} , beschreibt lokal das Verhalten der Funktion in der Umgebung der betrachteten Stelle x 0 {\displaystyle x_{0}} . HĂ€ufig ist es möglich, an jedem Punkt des Funktionsgraphen eine Linearisierung vorzunehmen. Dies erlaubt die Definition einer Ableitungsfunktion (oder kurz Ableitung) f âČ : : U â â R {\displaystyle f'\colon U\to \mathbb {R} } , die jedem Element des Definitionsbereichs U {\displaystyle U} der Ausgangsfunktion f {\displaystyle f} die Steigung der dortigen Linearisierung zuordnet. Man sagt in diesem Falle, â f {\displaystyle f} ist in U {\displaystyle U} differenzierbarâ.cite-ref-29[29]
Beispielsweise hat die Quadratfunktion f : : R â â R {\displaystyle f\colon \mathbb {R} \to \mathbb {R} } mit f ( x ) = x 2 {\displaystyle f(x)=x^{2}} an einer beliebigen Stelle x 0 {\displaystyle x_{0}} die Ableitung f âČ ( x 0 ) = 2 x 0 , {\displaystyle f'(x_{0})=2x_{0},} die Quadratfunktion ist also auf der Menge der reellen Zahlen differenzierbar. Die zugehörige Ableitungsfunktion f âČ {\displaystyle f'} ist gegeben durch f âČ : : R â â R {\displaystyle f'\colon \mathbb {R} \to \mathbb {R} } mit f âČ ( x ) = 2 x {\displaystyle f'(x)=2x} .
Die Ableitungsfunktion ist im Normalfall eine andere Funktion als die ursprĂŒnglich betrachtete. Einzige Ausnahme sind die Vielfachen x ⊠⊠k â
â
e x {\displaystyle x\mapsto k\cdot e^{x}} der natĂŒrlichen Exponentialfunktion mit beliebigem k â â R {\displaystyle k\in \mathbb {R} } â unter denen, wie die Wahl k = e â â a {\displaystyle k=e^{-a}} zeigt, auch alle Funktionen x ⊠⊠e x â â a {\displaystyle x\mapsto e^{x-a}} mit beliebigem a â â R {\displaystyle a\in \mathbb {R} } enthalten sind (deren Graph aus dem der Exponentialfunktion x ⊠⊠e x {\displaystyle x\mapsto e^{x}} durch âseitlicheâ Verschiebung um a {\displaystyle a} entsteht und zu diesem daher kongruent ist).
Ist die Ableitung stetig, dann heiĂt f {\displaystyle f} stetig differenzierbar. In Anlehnung an die Bezeichnung C ( U ) {\displaystyle C(U)} fĂŒr die Gesamtheit (den Raum) der stetigen Funktionen mit Definitionsmenge U {\displaystyle U} wird der Raum der auf U {\displaystyle U} stetig differenzierbaren Funktionen mit C 1 ( U ) {\displaystyle C^{1}(U)} abgekĂŒrzt.cite-ref-ae324-30-0[30]
Notationen
Geschichtlich bedingt gibt es unterschiedliche Notationen, um die Ableitung einer Funktion darzustellen.
Lagrange-Notation
In diesem Artikel wurde bisher hauptsĂ€chlich die Notation f âČ {\displaystyle f'} fĂŒr die Ableitung von f {\displaystyle f} verwendet. Diese Notation geht auf den Mathematiker Joseph-Louis Lagrange zurĂŒck, der sie 1797 einfĂŒhrte.cite-ref-31[31] Bei dieser Notation wird die zweite Ableitung von f {\displaystyle f} mit f âł {\displaystyle f''} und die n {\displaystyle n} -te Ableitung mittels f ( n ) {\displaystyle f^{(n)}} bezeichnet.
Newton-Notation
Isaac Newton â neben Leibniz der BegrĂŒnder der Differentialrechnung â notierte die erste Ableitung von x {\displaystyle x} mit x Ë Ë {\displaystyle {\dot {x}}} , entsprechend notierte er die zweite Ableitung durch x š š {\displaystyle {\ddot {x}}} .cite-ref-32[32] Heutzutage wird diese Schreibweise hĂ€ufig in der Physik, insbesondere in der Mechanik, fĂŒr die Ableitung nach der Zeit verwendet.cite-ref-33[33]
Leibniz-Notation
Gottfried Wilhelm Leibniz fĂŒhrte fĂŒr die erste Ableitung von f {\displaystyle f} (nach der Variablen x {\displaystyle x} ) die Notation d f ( x ) d x {\displaystyle {\tfrac {\mathrm {d} f(x)}{\mathrm {d} x}}} ein.cite-ref-34[34] Gelesen wird dieser Ausdruck als âd f von x nach d xâ. FĂŒr die zweite Ableitung notierte Leibniz d 2 f ( x ) d x 2 {\displaystyle {\tfrac {\mathrm {d} ^{2}f(x)}{\mathrm {d} x^{2}}}} und die n {\displaystyle n} -te Ableitung wird mittels d n f ( x ) d x n {\displaystyle {\tfrac {\mathrm {d} ^{n}f(x)}{\mathrm {d} x^{n}}}} bezeichnet.cite-ref-35[35] Bei der Schreibweise von Leibniz handelt es sich nicht um einen Bruch. Die Symbole d f ( x ) {\displaystyle \mathrm {d} f(x)} und d x {\displaystyle \mathrm {d} x} werden âDifferentialeâ genannt, haben aber in der modernen Differentialrechnung (abgesehen von der Theorie der Differentialformen oder in der Nichtstandardanalysis) eine lediglich symbolische Bedeutung, im Differentialquotienten. In manchen Anwendungen (Kettenregel, Integration mancher Differentialgleichungen, Integration durch Substitution) rechnet man mit ihnen aber so, als wĂ€ren sie gewöhnliche Terme.
Euler-Notation
Die Notation D f {\displaystyle \mathrm {D} f} oder D x f ( x ) {\displaystyle \mathrm {D} _{x}f(x)} fĂŒr die erste Ableitung von f {\displaystyle f} geht auf Leonhard Euler zurĂŒck. Dabei wird die Ableitung als Operator â also als eine besondere Funktion, die selbst auf Funktionen arbeitet, aufgefasst. Diese Idee geht auf den Mathematiker Louis François Antoine Arbogast zurĂŒck. Die zweite Ableitung wird in dieser Notation mittels D 2 f {\displaystyle \mathrm {D} ^{2}f} oder D x 2 f ( x ) {\displaystyle \mathrm {D} _{x}^{2}f(x)} und die n {\displaystyle n} -te Ableitung durch D n f {\displaystyle \mathrm {D} ^{n}f} oder D x n f ( x ) {\displaystyle \mathrm {D} _{x}^{n}f(x)} dargestellt.cite-ref-36[36]
Ableitungsberechnung
Das Berechnen der Ableitung einer Funktion wird Differentiation oder Differenziation genannt; sprich, man differenziert diese Funktion.
Um die Ableitung elementarer Funktionen (z. B. x n {\displaystyle x^{n}} , sin ⥠⥠( x ) {\displaystyle \sin(x)} , âŠ) zu berechnen, hĂ€lt man sich eng an die oben angegebene Definition, berechnet explizit einen Differenzenquotienten und lĂ€sst dann h {\displaystyle h} gegen Null gehen. Dieses Verfahren ist jedoch meistens umstĂ€ndlich. Bei der Lehre der Differentialrechnung wird diese Art der Rechnung daher nur wenige Male vollzogen. SpĂ€ter greift man auf bereits bekannte Ableitungsfunktionen zurĂŒck oder schlĂ€gt Ableitungen nicht ganz so gelĂ€ufiger Funktionen in einem Tabellenwerk nach (z. B. im Bronstein-Semendjajew, siehe auch Tabelle von Ableitungs- und Stammfunktionen) und berechnet die Ableitung zusammengesetzter Funktionen mit Hilfe von Ableitungsregeln.
Ableitungen elementarer Funktionen
FĂŒr die Berechnung der Ableitungsfunktion einer elementaren Funktion an einer vorgesehenen Stelle x {\displaystyle x} wird der zugehörige Differenzenquotient gebildet, der in einer Umgebung x + h {\displaystyle x+h} mit h â â 0 {\displaystyle h\neq 0} gĂŒltig ist, und dann wird der GrenzĂŒbergang h â â 0 {\displaystyle h\to 0} vollzogen.
NatĂŒrliche Potenzen
Der Fall f ( x ) = x 2 {\displaystyle f(x)=x^{2}} ist bereits weiter oben behandelt worden. Der zugehörige Differenzenquotient ergibt sich zu
Î Î f Î Î x = f ( x + h ) â â f ( x ) ( x + h ) â â x = x 2 + 2 x h + h 2 â â x 2 h . {\displaystyle {\frac {\Delta f}{\Delta x}}={\frac {f(x+h)-f(x)}{(x+h)-x}}={\frac {x^{2}+2xh+h^{2}-x^{2}}{h}}.}
Wenn h â â 0 {\displaystyle h\neq 0} ist, lĂ€sst sich h {\displaystyle h} kĂŒrzen,
Î Î f Î Î x = 2 x + h , {\displaystyle {\frac {\Delta f}{\Delta x}}=2x+h,}
und die AnnĂ€herung h â â 0 {\displaystyle h\to 0} fĂŒhrt auf
f âČ ( x ) = lim h â â 0 Î Î f Î Î x = 2 x . {\displaystyle f'(x)=\lim _{h\to 0}{\frac {\Delta f}{\Delta x}}=2x.}
Allgemein fĂŒr eine natĂŒrliche Zahl n {\displaystyle n} mit f ( x ) = x n {\displaystyle f(x)=x^{n}} wird der binomische Lehrsatz herangezogen:
( x + h ) n = â â k = 0 n ( n k ) x n â â k h k = x n + n h x n â â 1 + h 2 g n ( x , h ) . {\displaystyle (x+h)^{n}=\sum _{k=0}^{n}{\binom {n}{k}}x^{n-k}h^{k}=x^{n}+nhx^{n-1}+h^{2}g_{n}(x,h).}
Î Î f Î Î x = ( x + h ) n â â x n h = x n + n h x n â â 1 + h 2 g n ( x , h ) â â x n h = n x n â â 1 + h g n ( x , h ) . {\displaystyle {\frac {\Delta f}{\Delta x}}={\frac {(x+h)^{n}-x^{n}}{h}}={\frac {x^{n}+nhx^{n-1}+h^{2}g_{n}(x,h)-x^{n}}{h}}=nx^{n-1}+hg_{n}(x,h).}
Wenn ( x + h ) n {\displaystyle (x+h)^{n}} fĂŒr alle endlichen Werte von h {\displaystyle h} endlich ist, ist auch g n ( x , h ) {\displaystyle g_{n}(x,h)} endlich. Der in der letzten Gleichung vor g n ( x , h ) {\displaystyle g_{n}(x,h)} stehende Faktor h {\displaystyle h} fĂŒhrt auf h g n ( x , h ) â¶ â¶ h â â 0 0 {\displaystyle hg_{n}(x,h){\overset {h\to 0}{\longrightarrow }}0} . Damit entsteht
f âČ ( x ) = lim h â â 0 Î Î f Î Î x = n x n â â 1 {\displaystyle f'(x)=\lim _{h\to 0}{\frac {\Delta f}{\Delta x}}=nx^{n-1}}
Zwei ErgÀnzungen:
1. Ein konstanter Summand m {\displaystyle m} in f ( x ) = x n + m {\displaystyle \quad f(x)=x^{n}+m\quad } kĂŒrzt sich in f ( x + h ) â â f ( x ) {\displaystyle f(x+h)-f(x)} heraus, noch bevor der GrenzĂŒbergang vollzogen wird.
2. Ein konstanter Faktor m {\displaystyle m} in f ( x ) = m x n {\displaystyle \quad f(x)=m\,x^{n}\quad } kann in f ( x + h ) â â f ( x ) {\displaystyle f(x+h)-f(x)} ausgeklammert und vor den Bruch gezogen werden.
Exponentialfunktion
Mit der Exponentialfunktion f ( x ) = a x = exp a ⥠⥠x {\displaystyle f(x)=a^{x}=\exp _{a}x} ergibt sich der Differenzenquotient
Î Î f Î Î x = f ( x + h ) â â f ( x ) ( x + h ) â â x = a x + h â â a x h {\displaystyle {\frac {\Delta f}{\Delta x}}={\frac {f(x+h)-f(x)}{(x+h)-x}}={\frac {a^{x+h}-a^{x}}{h}}}
FĂŒr jedes a > 0 {\displaystyle a>0} gilt
a x + h = a x â
â
a h . {\displaystyle a^{x+h}=a^{x}\cdot a^{h}.}
Damit kann im ZĂ€hler a x {\displaystyle a^{x}} ausgeklammert werden.
Î Î f Î Î x = a x a h â â 1 h . {\displaystyle {\frac {\Delta f}{\Delta x}}=a^{x}\,{\frac {a^{h}-1}{h}}.}
Mit dem oben hergeleiteten GrenzĂŒbergang
lim h â â 0 a h â â 1 h = ln ⥠⥠a {\displaystyle \lim _{h\to 0}{\frac {a^{h}-1}{h}}=\ln a}
entsteht
f âČ ( x ) = lim h â â 0 Î Î f Î Î x = a x ln ⥠⥠a . {\displaystyle f'(x)=\lim _{h\to 0}{\frac {\Delta f}{\Delta x}}=a^{x}\,\ln a.}
Darin ist ln ⥠⥠a = log e ⥠⥠a {\displaystyle \ln a=\log _{\mathrm {e} }a} der natĂŒrliche Logarithmus von a {\displaystyle a} . Speziell fĂŒr die Eulersche Zahl e {\displaystyle \mathrm {e} } ist ln ⥠⥠e = 1 {\displaystyle \ln \mathrm {e} =1} . Damit entsteht die auszeichnende Zusatzeigenschaft
exp e âČ âĄ âĄ x = exp e ⥠⥠x . {\displaystyle \exp '_{\mathrm {e} }x=\exp _{\mathrm {e} }x.}
Logarithmus
Mit der Logarithmusfunktion f ( x ) = log a ⥠⥠x {\displaystyle f(x)=\log _{a}x} zur Basis a > 0 , a â â 1 {\displaystyle a>0,\ a\neq 1} ergibt sich der Differenzenquotient
Î Î f Î Î x = log a ⥠⥠( x + h ) â â log a ⥠⥠x ( x + h ) â â x = log a ⥠⥠( x â
â
( 1 + h x ) ) â â log a ⥠⥠x h {\displaystyle {\frac {\Delta f}{\Delta x}}={\frac {\log _{a}(x+h)-\log _{a}x}{(x+h)-x}}={\frac {\log _{a}\left(x\cdot (1+{\frac {h}{x}})\right)-\log _{a}x}{h}}}
FĂŒr jedes a > 0 {\displaystyle a>0} gilt
log a ⥠⥠( u â
â
v ) = log a ⥠⥠u + log a ⥠⥠v . {\displaystyle \log _{a}(u\cdot v)=\log _{a}u+\log _{a}v.}
Î Î f Î Î x = log a ⥠⥠x + log a ⥠⥠( 1 + h x ) â â log a ⥠⥠x h = log a ⥠⥠( 1 + h x ) h x x . {\displaystyle {\frac {\Delta f}{\Delta x}}={\frac {\log _{a}x+\log _{a}(1+{\frac {h}{x}})-\log _{a}x}{h}}={\frac {\log _{a}(1+{\frac {h}{x}})}{{\frac {h}{x}}\;x}}.}
Mit dem oben hergeleiteten GrenzĂŒbergang
lim u â â 0 log ⥠⥠( 1 + u ) u = log ⥠⥠e {\displaystyle \lim _{u\to 0}{\frac {\log(1+u)}{u}}=\log \mathrm {e} }
und mit der Basisumrechnung log a ⥠⥠e = 1 log e ⥠⥠a {\displaystyle \log _{a}\mathrm {e} ={\frac {1}{\log _{\mathrm {e} }a}}} entsteht
f âČ ( x ) = lim h â â 0 Î Î f Î Î x = 1 x log a ⥠⥠e = 1 x ln ⥠⥠a {\displaystyle f'(x)=\lim _{h\to 0}{\frac {\Delta f}{\Delta x}}={\frac {1}{x}}\,\log _{a}\mathrm {e} ={\frac {1}{x\,\ln a}}}
Dieses existiert nur fĂŒr x > 0 {\displaystyle x>0} . FĂŒr x < 0 {\displaystyle x<0} existiert die Funktion g ( x ) = log a ⥠⥠( â â x ) {\displaystyle g(x)=\log _{a}(-x)} .cite-ref-37[37] Mit der Substitution z ( x ) = â â x > 0 {\displaystyle z(x)=-x>0} und der Kettenregel ergibt ihre Ableitung
g âČ ( x ) = d g d z d z d x = 1 z ln ⥠⥠a â
â
( â â 1 ) = 1 x ln ⥠⥠a . {\displaystyle g'(x)={\frac {\mathrm {d} g}{\mathrm {d} z}}\,{\frac {\mathrm {d} z}{\mathrm {d} x}}={\frac {1}{z\,\ln a}}\cdot (-1)={\frac {1}{x\,\ln a}}.}
Beide Ableitungen können zusammengefasst werden fĂŒr x â â 0 {\displaystyle x\neq 0} zu
d log a ⥠⥠| x | d x = 1 x ln ⥠⥠a . {\displaystyle {\frac {\mathrm {d} \log _{a}|x|}{\mathrm {d} x}}={\frac {1}{x\,\ln a}}.}
Speziell fĂŒr den natĂŒrlichen Logarithmus gilt
ln âČ âĄ âĄ | x | = 1 x . {\displaystyle \ln '|x|={\frac {1}{x}}.}
Sinus und Kosinus
Mit der Sinusfunktion f ( x ) = sin ⥠⥠x {\displaystyle f(x)=\sin x} ergibt sich der Differenzenquotient
Î Î f Î Î x = sin ⥠⥠( x + h ) â â sin ⥠⥠x ( x + h ) â â x . {\displaystyle {\frac {\Delta f}{\Delta x}}={\frac {\sin(x+h)-\sin x}{(x+h)-x}}.}
Mit dem Additionstheorem
sin ⥠⥠u â â sin ⥠⥠v = 2 cos ⥠⥠u + v 2 sin ⥠⥠u â â v 2 {\displaystyle \sin u-\sin v=2\cos {\frac {u+v}{2}}\sin {\frac {u-v}{2}}}
gilt
Î Î f Î Î x = 2 cos ⥠⥠2 x + h 2 sin ⥠⥠h 2 h = cos ⥠⥠2 x + h 2 â
â
sin ⥠⥠h 2 h 2 . {\displaystyle {\frac {\Delta f}{\Delta x}}=2{\frac {\cos {\frac {2x+h}{2}}\sin {\frac {h}{2}}}{h}}=\cos {\tfrac {2x+h}{2}}\cdot {\frac {\sin {\frac {h}{2}}}{\tfrac {h}{2}}}.}
Mit dem oben hergeleiteten GrenzĂŒbergang
lim u â â 0 sin ⥠⥠u u = 1 {\displaystyle \lim _{u\to 0}{\frac {\sin u}{u}}=1}
und mit u = h 2 {\displaystyle u={\tfrac {h}{2}}} entsteht
f âČ ( x ) = lim h â â 0 Î Î f Î Î x = cos ⥠⥠2 x 2 â
â
1 = cos ⥠⥠x . {\displaystyle f'(x)=\lim _{h\to 0}{\frac {\Delta f}{\Delta x}}=\cos {\frac {2x}{2}}\cdot 1=\cos x.}
FĂŒr die Kosinusfunktion fĂŒhrt eine entsprechende Rechnung mit
cos ⥠⥠u â â cos ⥠⥠v = â â 2 sin ⥠⥠u + v 2 sin ⥠⥠u â â v 2 {\displaystyle \cos u-\cos v=-2\sin {\frac {u+v}{2}}\sin {\frac {u-v}{2}}}
auf Î Î f Î Î x = cos ⥠⥠( x + h ) â â cos ⥠⥠x ( x + h ) â â x = â â sin ⥠⥠2 x + h 2 â
â
sin ⥠⥠h 2 h 2 . {\displaystyle \quad {\frac {\Delta f}{\Delta x}}={\frac {\cos(x+h)-\cos x}{(x+h)-x}}=-\sin {\tfrac {2x+h}{2}}\cdot {\frac {\sin {\frac {h}{2}}}{\tfrac {h}{2}}}.}
f âČ ( x ) = lim h â â 0 Î Î f Î Î x = â â sin ⥠⥠x . {\displaystyle f'(x)=\lim _{h\to 0}{\frac {\Delta f}{\Delta x}}=-\sin x.}
Weitere elementare Funktionen
Mit den vorstehenden Ableitungen können Ableitungsfunktionen fĂŒr weitere Funktionen aufgestellt werden. Dazu werden zusĂ€tzlich die Ableitungsregeln fĂŒr die Grundrechenarten, die Kettenregel und die Umkehrregel benötigt.
Allgemeine Potenzen
Die Funktion f ( x ) = x n {\displaystyle f(x)=x^{n}} ist bisher nur fĂŒr n {\displaystyle n} als natĂŒrliche Zahl abgeleitet worden. Die Anwendbarkeit der zugehörigen Ableitungsregel lĂ€sst sich bei x > 0 {\displaystyle x>0} auf reelle Exponenten erweitern. Mit der Substitutioncite-ref-38[38]
z ( x ) = n ln ⥠⥠x {\displaystyle z(x)=n\,\ln x}
ist f ( x ) = x n = e z . {\displaystyle \;f(x)=x^{n}=\mathrm {e} ^{z}.}
Wird dieses mit der Kettenregel differenziert, so entsteht das bekannte Ergebnis:
f âČ ( x ) = d f d z d z d x = e z â
â
n 1 x = n f x = n x n â â 1 . {\displaystyle f'(x)={\frac {\mathrm {d} f}{\mathrm {d} z}}\,{\frac {\mathrm {d} z}{\mathrm {d} x}}=\mathrm {e} ^{z}\cdot n\;{\frac {1}{x}}=n\;{\frac {f}{x}}=n\,x^{n-1}.}
Eine Anwendung ist die Ableitung der Wurzelfunktion. FĂŒr f ( x ) = x m = x 1 m {\displaystyle f(x)={\sqrt[{m}]{x}}=x^{\frac {1}{m}}} gilt mit n = 1 m {\displaystyle n={\tfrac {1}{m}}}
f âČ ( x ) = 1 m f x = 1 m x m x . {\displaystyle f'(x)={\frac {1}{m}}{\frac {f}{x}}={\frac {1}{m}}\;{\frac {\sqrt[{m}]{x}}{x}}.}
Der Fall m = 2 {\displaystyle m=2} betrifft die Quadratwurzel:
FĂŒr f ( x ) = x {\displaystyle f(x)={\sqrt {x}}\quad } gilt f âČ ( x ) = 1 2 x . {\displaystyle \quad f'(x)={\frac {1}{2{\sqrt {x}}}}.}
Tangens und Kotangens
Mit Hilfe der Quotientenregel und den Ableitungsfunktionen fĂŒr Sinus und Kosinus können auch die Ableitungsfunktionen fĂŒr Tangens und Kotangens aufgestellt werden. Es gilt
tan âČ âĄ âĄ x = ( sin ⥠⥠x cos ⥠⥠x ) âČ = sin âČ âĄ âĄ x cos ⥠⥠x â â cos âČ âĄ âĄ x sin ⥠⥠x cos 2 ⥠⥠x = cos 2 ⥠⥠x + sin 2 ⥠⥠x cos 2 ⥠⥠x = 1 cos 2 ⥠⥠x = 1 + tan 2 ⥠⥠x . {\displaystyle \tan 'x=\left({\frac {\sin x}{\cos x}}\right)'={\frac {\sin 'x\cos x-\cos 'x\sin x}{\cos ^{2}x}}={\frac {\cos ^{2}x+\sin ^{2}x}{\cos ^{2}x}}={\frac {1}{\cos ^{2}x}}=1+\tan ^{2}x.}
Dabei wurde die als âTrigonometrischer Pythagorasâ bezeichnete Formel sin 2 ⥠⥠x + cos 2 ⥠⥠x = 1 {\displaystyle \sin ^{2}x+\cos ^{2}x=1} verwendet. Ebenso wird gewonnen
cot âČ âĄ âĄ x = â â sin 2 ⥠⥠x â â cos 2 ⥠⥠x sin 2 ⥠⥠x = â â 1 sin 2 ⥠⥠x = â â 1 â â cot 2 ⥠⥠x . {\displaystyle \cot 'x={\frac {-\sin ^{2}x-\cos ^{2}x}{\sin ^{2}x}}={\frac {-1}{\sin ^{2}x}}=-1-\cot ^{2}x.}
Arkussinus und Arkuskosinus
Arkussinus und Arkuskosinus sind als Umkehrfunktionen von Sinus und Kosinus definiert. Die Ableitungen werden mittels der Umkehrregel berechnet. Setzt man x = sin ⥠⥠y {\displaystyle x=\sin y} , so folgt im Bereich | x | < 1 {\displaystyle |x|<1}
arcsin âČ âĄ âĄ x = 1 sin âČ âĄ âĄ y = 1 cos ⥠⥠y = 1 1 â â sin 2 ⥠⥠y = 1 1 â â x 2 . {\displaystyle \arcsin 'x={\frac {1}{\sin 'y}}={\frac {1}{\cos y}}={\frac {1}{\sqrt {1-\sin ^{2}y}}}={\frac {1}{\sqrt {1-x^{2}}}}.}
FĂŒr den Arkuskosinus ergibt sich mit x = cos ⥠⥠y {\displaystyle x=\cos y} ebenso
arccos âČ âĄ âĄ x = 1 cos âČ âĄ âĄ y = 1 â â sin ⥠⥠y = â â 1 1 â â cos 2 ⥠⥠y = â â 1 1 â â x 2 . {\displaystyle \arccos 'x={\frac {1}{\cos 'y}}={\frac {1}{-\sin y}}=-{\frac {1}{\sqrt {1-\cos ^{2}y}}}=-{\frac {1}{\sqrt {1-x^{2}}}}.}
Arkustangens und Arkuskotangens
Arkustangens und Arkuskotangens sind als Umkehrfunktionen von Tangens und Kotangens definiert. Setzt man x = tan ⥠⥠y {\displaystyle x=\tan y} , so folgt mittels der Umkehrregel
arctan âČ âĄ âĄ x = 1 tan âČ âĄ âĄ y = 1 1 + tan 2 ⥠⥠y = 1 1 + x 2 . {\displaystyle \arctan 'x={\frac {1}{\tan 'y}}={\frac {1}{1+\tan ^{2}y}}={\frac {1}{1+x^{2}}}.}
FĂŒr den Arkuskotangens ergibt sich mit x = cot ⥠⥠y {\displaystyle x=\cot y} ebenso
arccot âČ âĄ âĄ x = 1 cot âČ âĄ âĄ y = 1 â â 1 â â cot 2 ⥠⥠y = â â 1 1 + x 2 . {\displaystyle \operatorname {arccot} 'x={\frac {1}{\cot 'y}}={\frac {1}{-1-\cot ^{2}y}}=-{\frac {1}{1+x^{2}}}.}
Zusammengesetzte Funktion
Zusammengesetzte Funktionen lassen sich so weit strukturieren, bis sich zu jedem Strukturelement die jeweils zutreffende elementare Ableitungsregel finden lÀsst. Dazu gibt es die Summenregel, die Produktregel, die Quotientenregel und die Kettenregel. Da diese in eigenen Artikeln erlÀutert werden, wird hier nur ein Beispiel vorgestellt.
f ( x ) = ( 1 + sin ⥠⥠2 x ) 2 {\displaystyle f(x)=(1+\sin 2x)^{2}}
f ( x ) = f ( u ) = u 2 {\displaystyle f(x)=f(u)=u^{2}\quad } mit u = 1 + sin ⥠⥠2 x {\displaystyle u=1+\sin 2x\quad } f ( u ) {\displaystyle f(u)} ist ableitbar nach u {\displaystyle u} als Potenz f âČ = 2 u {\displaystyle f'=2u} u = u ( v ) = 1 + v {\displaystyle u=u(v)=1+v} mit v = sin ⥠⥠2 x {\displaystyle v=\sin 2x} u ( v ) {\displaystyle u(v)} ist ableitbar nach v {\displaystyle v} als Summe mit einer Konstanten u âČ = 1 {\displaystyle u'=1} v = v ( w ) = sin ⥠⥠w {\displaystyle v=v(w)=\sin w} mit w = 2 x {\displaystyle w=2x} v ( w ) {\displaystyle v(w)} ist ableitbar nach w {\displaystyle w} als trigonometrische Funktion v âČ = cos ⥠⥠w {\displaystyle v'=\cos w} w = w ( x ) = 2 x {\displaystyle w=w(x)=2x} w ( x ) {\displaystyle w(x)} ist ableitbar nach x {\displaystyle x} als Potenz mit konstantem Faktor w âČ = 2 {\displaystyle w'=2}
Nach der Kettenregel ergibt sich
f âČ ( x ) = 4 ( 1 + sin ⥠⥠2 x ) cos ⥠⥠2 x {\displaystyle f'(x)=4\,(1+\sin 2x)\,\cos 2x}
Zusammenfassung
Hier werden die Ableitungsregeln elementarer und zusammengesetzter Funktionen zusammengefasst. Eine ausfĂŒhrliche Liste findet sich unter Tabelle von Ableitungs- und Stammfunktionen.
| f ( x ) {\displaystyle f(x)} | f âČ ( x ) {\displaystyle f'(x)} | Anmerkung |
|---|---|---|
| x {\displaystyle x} | 1 {\displaystyle 1} | Elementares |
| a x {\displaystyle ax} | a {\displaystyle a} | konstanter Faktor bleibt erhalten |
| x + a {\displaystyle x+a} | 1 {\displaystyle 1} | konstanter Summand verschwindet |
| x n {\displaystyle x^{n}} | n x n â 1 {\displaystyle n\,x^{n-1}} | Potenzfunktion |
| e x {\displaystyle \mathrm {e} ^{x}} | e x {\displaystyle \mathrm {e} ^{x}} | Exponentialfunktion |
| a x {\displaystyle a^{x}} | a x ln ⥠a ( a > 0 ) {\displaystyle a^{x}\,\ln a\quad (a>0)} | Exponentialfunktion |
| ln ⥠/ x / {\displaystyle \ln /x/} | 1 x {\displaystyle {\frac {1}{x}}} | Logarithmusfunktion |
| log a ⥠/ x / {\displaystyle \log _{a}/x/} | 1 x 1 ln ⥠a {\displaystyle {\frac {1}{x}}\,{\frac {1}{\ln a}}} | Logarithmusfunktion |
| sin ⥠x {\displaystyle \sin x} | cos ⥠x {\displaystyle \cos x} | Trigonometrische Funktionen |
| cos ⥠x {\displaystyle \cos x} | â sin ⥠x {\displaystyle -\sin x} | Trigonometrische Funktionen |
| tan ⥠x {\displaystyle \tan x} | 1 cos 2 ⥠x = 1 + tan 2 ⥠x {\displaystyle {\frac {1}{\cos ^{2}x}}=1+\tan ^{2}x} | Trigonometrische Funktionen |
| cot ⥠x {\displaystyle \cot x} | â 1 sin 2 ⥠x = â ( 1 + cot 2 ⥠x ) {\displaystyle -{\frac {1}{\sin ^{2}x}}=-(1+\cot ^{2}x)} | Trigonometrische Funktionen |
| arcsin ⥠x {\displaystyle \arcsin x} | 1 1 â x 2 ( / x / < 1 ) {\displaystyle {\frac {1}{\sqrt {1-x^{2}}}}\quad (/x/<1)} | Trigonometrische Funktionen |
| arccos ⥠x {\displaystyle \arccos x} | â 1 1 â x 2 ( / x / < 1 ) {\displaystyle {\frac {-1}{\sqrt {1-x^{2}}}}\quad (/x/<1)} | Trigonometrische Funktionen |
| arctan ⥠x {\displaystyle \arctan x} | 1 x 2 + 1 {\displaystyle {\frac {1}{x^{2}+1}}} | Trigonometrische Funktionen |
| arccot ⥠x {\displaystyle \operatorname {arccot} x} | â 1 x 2 + 1 {\displaystyle {\frac {-1}{x^{2}+1}}} | Trigonometrische Funktionen |
| sinh ⥠x {\displaystyle \sinh x} | cosh ⥠x {\displaystyle \cosh x} | Hyperbelfunktionen |
| cosh ⥠x {\displaystyle \cosh x} | sinh ⥠x {\displaystyle \sinh x} | Hyperbelfunktionen |
| tanh ⥠x {\displaystyle \tanh x} | 1 cosh 2 ⥠x = 1 â tanh 2 ⥠x {\displaystyle {\frac {1}{\cosh ^{2}x}}=1-\tanh ^{2}x} | Hyperbelfunktionen |
| coth ⥠x {\displaystyle \coth x} | â 1 sinh 2 ⥠x = 1 â coth 2 ⥠x {\displaystyle {\frac {-1}{\sinh ^{2}x}}=1-\coth ^{2}x} | Hyperbelfunktionen |
| arsinh ⥠x {\displaystyle \operatorname {arsinh} x} | 1 x 2 + 1 {\displaystyle {\frac {1}{\sqrt {x^{2}+1}}}} | Hyperbelfunktionen |
| arcosh ⥠x {\displaystyle \operatorname {arcosh} x} | 1 x 2 â 1 ( x > 1 ) {\displaystyle {\frac {1}{\sqrt {x^{2}-1}}}\quad (x>1)} | Hyperbelfunktionen |
| artanh ⥠x {\displaystyle \operatorname {artanh} x} | 1 1 â x 2 ( / x / < 1 ) {\displaystyle {\frac {1}{1-x^{2}}}\quad (/x/<1)} | Hyperbelfunktionen |
| arcoth ⥠x {\displaystyle \operatorname {arcoth} x} | 1 1 â x 2 ( / x / > 1 ) {\displaystyle {\frac {1}{1-x^{2}}}\quad (/x/>1)} | Hyperbelfunktionen |
| u ( x ) + v ( x ) {\displaystyle u(x)+v(x)} | u âČ + v âČ {\displaystyle u'+v'} | Summenregel |
| k â
u ( x ) {\displaystyle k\cdot u(x)} | k â
u âČ ( x ) {\displaystyle k\cdot u'(x)} | Faktorregel |
| u ( x ) â
v ( x ) {\displaystyle u(x)\cdot v(x)} | u âČ v + v âČ u {\displaystyle u'v+v'u} | Produktregel |
| u ( x ) : v ( x ) {\displaystyle u(x):v(x)} | u âČ v â v âČ u v 2 {\displaystyle {\frac {u'v-v'u}{v^{2}}}} | Quotientenregel |
| u [ v ( x ) ] {\displaystyle u[v(x)]} | f âČ ( u ) â
u âČ ( v ) â
v âČ ( x ) {\displaystyle f'(u)\cdot u'(v)\cdot v'(x)} oder d f d x = d f d u d u d v d v d x {\displaystyle {\frac {\mathrm {d} f}{\mathrm {d} x}}={\frac {\mathrm {d} f}{\mathrm {d} u}}\,{\frac {\mathrm {d} u}{\mathrm {d} v}}\,{\frac {\mathrm {d} v}{\mathrm {d} x}}} | Kettenregel mit f = f ( u ) , u = u ( v ) , v = v ( x ) {\displaystyle f=f(u),u=u(v),v=v(x)} |
| f â 1 ( y ) {\displaystyle f^{-1}(y)} | 1 f âČ ( x ) = 1 f âČ ( f â 1 ( y ) ) {\displaystyle {\frac {1}{f'(x)}}={\frac {1}{f'(f^{-1}(y))}}} | Umkehrregel mit y = f ( x ) {\displaystyle y=f(x)\ } bzw. x = f â 1 ( y ) {\displaystyle \ x=f^{-1}(y)} |
Höhere Ableitungen
Ist die Ableitung f âČ {\displaystyle f'} einer Funktion f {\displaystyle f} wiederum differenzierbar, so lĂ€sst sich die zweite Ableitung von f {\displaystyle f} als Ableitung der ersten definieren. Auf dieselbe Weise können dann auch dritte, vierte etc. Ableitungen definiert werden. Eine Funktion kann dementsprechend einmal differenzierbar, zweimal differenzierbar etc. sein.
Ist die erste Ableitung eines Weges nach der Zeit eine Geschwindigkeit, so kann die zweite Ableitung als Beschleunigung und die dritte Ableitung als Ruck interpretiert werden.
Höhere Ableitungen können auf verschiedene Weisen geschrieben werden:
f Ⳡ= f ( 2 ) = d 2 f d x 2 , f ⎠= f ( 3 ) = d 3 f d x 3 , ⊠⊠{\displaystyle f''=f^{(2)}={\frac {\mathrm {d} ^{2}f}{\mathrm {d} x^{2}}},\quad f'''=f^{(3)}={\frac {\mathrm {d} ^{3}f}{\mathrm {d} x^{3}}},\quad \ldots }
oder im physikalischen Fall (bei einer Ableitung nach der Zeit)
x š š ( t ) = d 2 x d t 2 , x . . . ( t ) = d 3 x d t 3 . {\displaystyle {\ddot {x}}(t)={\frac {\mathrm {d} ^{2}x}{\mathrm {d} t^{2}}},\quad {\overset {...}{x}}(t)={\frac {\mathrm {d} ^{3}x}{\mathrm {d} t^{3}}}.}
FĂŒr die formale Bezeichnung beliebiger Ableitungen f ( n ) {\displaystyle f^{(n)}} legt man auĂerdem f ( 1 ) = f âČ {\displaystyle f^{(1)}=f'} und f ( 0 ) = f {\displaystyle f^{(0)}=f} fest.
Höhere Differentialoperatoren
â
Hauptartikel
:
Differentiationsklasse
Ist n {\displaystyle n} eine natĂŒrliche Zahl und U â â R {\displaystyle U\subset \mathbb {R} } offen, so wird der Raum der in U {\displaystyle U} n {\displaystyle n} -mal stetig differenzierbaren Funktionen mit C n ( U ) {\displaystyle C^{n}(U)} bezeichnet. Der Differentialoperator d d x {\displaystyle {\tfrac {\mathrm {d} }{\mathrm {d} x}}} induziert damit eine Kette von linearen Abbildungen
C n ( U ) â¶ â¶ d d x C n â â 1 ( U ) â¶ â¶ d d x C n â â 2 ( U ) â¶ â¶ d d x ⯠⯠ⶠⶠd d x C 0 ( U ) , {\displaystyle C^{n}(U)\,\,\,\,{\overset {\tfrac {\mathrm {d} }{\mathrm {d} x}}{\longrightarrow }}\,\,\,\,C^{n-1}(U)\,\,\,\,{\overset {\tfrac {\mathrm {d} }{\mathrm {d} x}}{\longrightarrow }}\,\,\,\,C^{n-2}(U)\,\,\,\,{\overset {\tfrac {\mathrm {d} }{\mathrm {d} x}}{\longrightarrow }}\,\,\,\,\cdots \,\,\,\,{\overset {\tfrac {\mathrm {d} }{\mathrm {d} x}}{\longrightarrow }}\,\,\,\,C^{0}(U),}
und damit allgemein fĂŒr k ††n {\displaystyle k\leq n} :
C n ( U ) â¶ â¶ d k d x k C n â â k ( U ) . {\displaystyle C^{n}(U)\,\,\,\,{\overset {\tfrac {\mathrm {d} ^{k}}{\mathrm {d} x^{k}}}{\longrightarrow }}\,\,\,\,C^{n-k}(U).}
Dabei bezeichnet C 0 ( U ) {\displaystyle C^{0}(U)} den Raum der in U {\displaystyle U} stetigen Funktionen. Exemplarisch: Wird ein f â â C n ( U ) {\displaystyle f\in C^{n}(U)} durch Anwenden von d d x {\displaystyle {\tfrac {\mathrm {d} }{\mathrm {d} x}}} einmal abgeleitet, kann das Ergebnis f âČ {\displaystyle f'} im Allgemeinen nur noch ( n â â 1 ) {\displaystyle (n-1)} -mal abgeleitet werden usw. Jeder Raum C k ( U ) {\displaystyle C^{k}(U)} ist eine R {\displaystyle \mathbb {R} } -Algebra, da nach der Summen- bzw. der Produktregel Summen und auch Produkte von k {\displaystyle k} -mal stetig differenzierbaren Funktionen wieder k {\displaystyle k} -mal stetig differenzierbar sind. Es gilt zudem die aufsteigende Kette von echten Inklusionen
⯠⯠C n ( U ) â â C n â â 1 ( U ) â â C n â â 2 ( U ) â â ⯠⯠â â C 0 ( U ) , {\displaystyle \cdots \,\,\,\,C^{n}(U)\,\,\,\,\subsetneq \,\,\,\,C^{n-1}(U)\,\,\,\,\subsetneq \,\,\,\,C^{n-2}(U)\,\,\,\,\subsetneq \,\,\,\,\cdots \,\,\,\,\subsetneq \,\,\,\,C^{0}(U),}
denn offenbar ist jede mindestens n {\displaystyle n} -mal stetig differenzierbare Funktion auch ( n â â 1 ) {\displaystyle (n-1)} -mal stetig differenzierbar usw., jedoch zeigen die Funktionen
f n ( x ) = { x n + 1 sin ⥠⥠( 1 x ) , x â â U â â { 0 } , 0 , x = 0 , {\displaystyle f_{n}(x)={\begin{cases}x^{n+1}\sin \left({\frac {1}{x}}\right),&x\in U\setminus \{0\},\\0,&x=0,\end{cases}}}
exemplarisch Beispiele fĂŒr Funktionen aus C n â â 1 ( U ) â â C n ( U ) {\displaystyle C^{n-1}(U)\setminus C^{n}(U)} , wenn â was ohne BeschrĂ€nkung der Allgemeinheit möglich ist â 0 â â U {\displaystyle 0\in U} angenommen wird.cite-ref-39[39]
Höhere Ableitungsregeln
Die Ableitung n {\displaystyle n} -ter Ordnung fĂŒr ein Produkt aus zwei n {\displaystyle n} -mal differenzierbaren Funktionen f {\displaystyle f} und g {\displaystyle g} ergibt sich aus
( f g ) ( n ) = â â k = 0 n ( n k ) f ( k ) g ( n â â k ) {\displaystyle (fg)^{(n)}=\sum _{k=0}^{n}{n \choose k}f^{(k)}g^{(n-k)}} .
Die hier auftretenden AusdrĂŒcke der Form ( n k ) {\displaystyle {\tbinom {n}{k}}} sind Binomialkoeffizienten. Die Formel ist eine Verallgemeinerung der Produktregel.
Diese Formel ermöglicht die geschlossene Darstellung der n {\displaystyle n} -ten Ableitung der Komposition zweier n {\displaystyle n} -mal differenzierbarer Funktionen. Sie verallgemeinert die Kettenregel auf höhere Ableitungen.
Taylorformeln mit Restglied
â
Hauptartikel
:
Taylorformel
Ist f {\displaystyle f} eine in einem Intervall I {\displaystyle I} ( n + 1 ) {\displaystyle (n+1)} -mal stetig differenzierbare Funktion, dann gilt fĂŒr alle a {\displaystyle a} und x {\displaystyle x} aus I {\displaystyle I} die sogenannte Taylorformel:
f ( x ) = T n ( a ; x ) + R n + 1 ( a ; x ) {\displaystyle f(x)=T_{n}(a;x)+R_{n+1}(a;x)}
mit dem n {\displaystyle n} -ten Taylorpolynom an der Entwicklungsstelle a {\displaystyle a}
T n ( a ; x ) = â â k = 0 n f ( k ) ( a ) k ! ( x â â a ) k = f ( a ) + f âČ ( a ) 1 ! ( x â â a ) + f âł ( a ) 2 ! ( x â â a ) 2 + ⯠⯠+ f ( n ) ( a ) n ! ( x â â a ) n {\displaystyle {\begin{aligned}T_{n}(a;x)&=\sum _{k=0}^{n}{\frac {f^{(k)}(a)}{k!}}(x-a)^{k}\\&=f(a)+{\frac {f'(a)}{1!}}(x-a)+{\frac {f''(a)}{2!}}(x-a)^{2}+\dotsb +{\frac {f^{(n)}(a)}{n!}}(x-a)^{n}\end{aligned}}}
und dem ( n + 1 ) {\displaystyle (n+1)} -ten Restglied
R n + 1 ( a ; x ) = f ( n + 1 ) ( Ο Ο ) ( n + 1 ) ! ( x â â a ) n + 1 {\displaystyle R_{n+1}(a;x)={\frac {f^{(n+1)}(\xi )}{(n+1)!}}(x-a)^{n+1}}
mit einem Ο Ο = Ο Ο ( x ) â â ( min { a , x } , max { a , x } ) â â I {\displaystyle \xi =\xi (x)\in (\min\{a,x\},\max\{a,x\})\subset I} .cite-ref-40[40] Eine beliebig oft differenzierbare Funktion wird glatte Funktion genannt. Da sie alle Ableitungen besitzt, kann die oben angegebene Taylorformel zur Taylorreihe von f {\displaystyle f} mit Entwicklungspunkt a {\displaystyle a} erweitert werden:
( T f ) ( a ; x ) := f ( a ) + f âČ ( a ) ( x â â a ) + f âł ( a ) 2 ( x â â a ) 2 + ⯠⯠+ f ( n ) ( a ) n ! ( x â â a ) n + ⯠⯠= â â n = 0 â â f ( n ) ( a ) n ! ( x â â a ) n . {\displaystyle {\begin{aligned}(Tf)(a;x)&:=f(a)+f'(a)(x-a)+{\frac {f''(a)}{2}}(x-a)^{2}+\dotsb +{\frac {f^{(n)}(a)}{n!}}(x-a)^{n}+\dotsb \\&=\sum _{n=0}^{\infty }{\frac {f^{(n)}(a)}{n!}}(x-a)^{n}.\end{aligned}}}
Es ist jedoch nicht jede glatte Funktion durch ihre Taylorreihe darstellbar, siehe unten.
Glatte Funktionen
â
Hauptartikel
:
Glatte Funktion
Funktionen, die an jeder Stelle ihres Definitionsbereichs beliebig oft differenzierbar sind, bezeichnet man auch als glatte Funktionen. Die Menge aller in einer offenen Menge U â â R {\displaystyle U\subset \mathbb {R} } glatten Funktionen f : : U â â R {\displaystyle f\colon U\to \mathbb {R} } wird meist mit C â â ( U ) {\displaystyle C^{\infty }(U)} bezeichnet. Sie trĂ€gt die Struktur einer R {\displaystyle \mathbb {R} } -Algebra (skalare Vielfache, Summen und Produkte glatter Funktionen sind wieder glatt) und ist gegeben durch
C â â ( U ) = â â n â â N C n ( U ) , {\displaystyle C^{\infty }(U)=\bigcap _{n\in \mathbb {N} }C^{n}(U),}
wobei C n ( U ) {\displaystyle C^{n}(U)} alle in U {\displaystyle U} n {\displaystyle n} -mal stetig differenzierbaren Funktionen bezeichnet.cite-ref-ae324-30-1[30] HĂ€ufig findet man in mathematischen Betrachtungen den Begriff hinreichend glatt. Damit ist gemeint, dass die Funktion mindestens so oft differenzierbar ist, wie es nötig ist, um den aktuellen Gedankengang durchzufĂŒhren.
Analytische Funktionen
â
Hauptartikel
:
Analytische Funktion
Der obere Begriff der Glattheit kann weiter verschĂ€rft werden. Eine Funktion f : : U â â R {\displaystyle f\colon U\to \mathbb {R} } heiĂt reell analytisch, wenn sie sich in jedem Punkt lokal in eine Taylorreihe entwickeln lĂ€sst, also
f ( x ) = â â n = 0 â â f ( n ) ( a ) n ! ( x â â a ) n {\displaystyle f(x)=\sum _{n=0}^{\infty }{\frac {f^{(n)}(a)}{n!}}(x-a)^{n}}
fĂŒr alle a â â U {\displaystyle a\in U} und alle hinreichend kleinen Werte von | x â â a | {\displaystyle |x-a|} . Analytische Funktionen haben starke Eigenschaften und finden besondere Aufmerksamkeit in der komplexen Analysis. Dort werden dementsprechend keine reell, sondern komplex analytischen Funktionen studiert. Ihre Menge wird meist mit C Ï Ï ( U ) {\displaystyle C^{\omega }(U)} bezeichnet und es gilt C Ï Ï ( U ) â â C â â ( U ) {\displaystyle C^{\omega }(U)\subsetneq C^{\infty }(U)} . Insbesondere ist jede analytische Funktion glatt, aber nicht umgekehrt. Die Existenz aller Ableitungen ist also nicht hinreichend dafĂŒr, dass die Taylorreihe die Funktion darstellt, wie das folgende Gegenbeispiel
f ( x ) = { 0 falls x = 0 e â â 1 / x 2 falls x â â 0 {\displaystyle f(x)={\begin{cases}0&{\text{falls }}x=0\\\mathrm {e} ^{-1/x^{2}}&{\text{falls }}x\neq 0\end{cases}}}
einer nicht analytischen glatten Funktion zeigt.cite-ref-41[41] Alle reellen Ableitungen dieser Funktion verschwinden in 0, aber es handelt sich nicht um die Nullfunktion. Daher wird sie an der Stelle 0 nicht durch ihre Taylorreihe dargestellt.
Anwendungen
Eine wichtige Anwendung der Differentialrechnung in einer Variablen ist die Bestimmung von Extremwerten, meist zur Optimierung von Prozessen, wie etwa im Kontext von Kosten, Material oder Energieaufwand.cite-ref-42[42] Die Differentialrechnung stellt eine Methode bereit, Extremstellen zu finden, ohne dabei unter Aufwand numerisch suchen zu mĂŒssen. Man macht sich zunutze, dass an einer lokalen Extremstelle x 0 {\displaystyle x_{0}} notwendigerweise die erste Ableitung der Funktion f {\displaystyle f} gleich 0 sein muss. Es muss also f âČ ( x 0 ) = 0 {\displaystyle f'(x_{0})=0} gelten, wenn x 0 {\displaystyle x_{0}} eine lokale Extremstelle ist. Allerdings bedeutet andersherum f âČ ( x 0 ) = 0 {\displaystyle f'(x_{0})=0} noch nicht, dass es sich bei f ( x 0 ) {\displaystyle f(x_{0})} um ein Maximum oder Minimum handelt. In diesem Fall werden mehr Informationen benötigt, um eine eindeutige Entscheidung treffen zu können, was meist durch Betrachten höherer Ableitungen bei x 0 {\displaystyle x_{0}} möglich ist.
Eine Funktion kann einen Maximal- oder Minimalwert haben, ohne dass die Ableitung an dieser Stelle existiert, jedoch kann in diesem Falle die Differentialrechnung nicht verwendet werden. Im Folgenden werden daher nur zumindest lokal differenzierbare Funktionen betrachtet. Als Beispiel nehmen wir die Polynomfunktion f {\displaystyle f} mit dem Funktionsterm
f ( x ) = 1 3 x 3 â â 2 x 2 + 3 x = x 3 ( x â â 3 ) 2 . {\displaystyle f(x)={\frac {1}{3}}x^{3}-2x^{2}+3x={\frac {x}{3}}(x-3)^{2}.}
Die Abbildung zeigt den Verlauf der Graphen von f {\displaystyle f} , f âČ {\displaystyle f'} und f âł {\displaystyle f''} .
Horizontale Tangenten
Besitzt eine Funktion f : : ( a , b ) â â R {\displaystyle f\colon (a,b)\to \mathbb {R} } mit ( a , b ) â â R {\displaystyle (a,b)\subset \mathbb {R} } an einer Stelle x 0 â â ( a , b ) {\displaystyle x_{0}\in (a,b)} ihren gröĂten Wert, gilt also fĂŒr alle x {\displaystyle x} dieses Intervalls f ( x 0 ) â„ â„ f ( x ) {\displaystyle f(x_{0})\geq f(x)} , und ist f {\displaystyle f} an der Stelle x 0 {\displaystyle x_{0}} differenzierbar, so kann die Ableitung dort nur gleich Null sein: f âČ ( x 0 ) = 0 {\displaystyle f'(x_{0})=0} . Eine entsprechende Aussage gilt, falls f {\displaystyle f} in x 0 {\displaystyle x_{0}} den kleinsten Wert annimmt.
Geometrische Deutung dieses Satzes von Fermat ist, dass der Graph der Funktion in lokalen Extrempunkten eine parallel zur x {\displaystyle x} -Achse verlaufende Tangente, auch waagerechte Tangente genannt, besitzt.
Es ist somit fĂŒr differenzierbare Funktionen eine notwendige Bedingung fĂŒr das Vorliegen einer Extremstelle, dass die Ableitung an der betreffenden Stelle den Wert 0 annimmt:
f âČ âČ ( x 0 ) = 0 {\displaystyle f^{\prime }(x_{0})=0}
Umgekehrt kann aber daraus, dass die Ableitung an einer Stelle den Wert Null hat, noch nicht auf eine Extremstelle geschlossen werden, es könnte auch beispielsweise ein Sattelpunkt vorliegen. Eine Liste verschiedener hinreichender Kriterien, deren ErfĂŒllung sicher auf eine Extremstelle schlieĂen lĂ€sst, findet sich im Artikel Extremwert. Diese Kriterien benutzen meist die zweite oder noch höhere Ableitungen.
Bedingung im Beispiel
Im Beispiel ist
f âČ ( x ) = x 2 â â 4 â
â
x + 3 = ( x â â 1 ) â
â
( x â â 3 ) . {\displaystyle f'(x)=x^{2}-4\cdot x+3=(x-1)\cdot (x-3).}
Daraus folgt, dass f âČ âČ ( x ) = 0 {\displaystyle f^{\prime }(x)=0} genau fĂŒr x = 1 {\displaystyle x=1} und x = 3 {\displaystyle x=3} gilt. Die Funktionswerte an diesen Stellen sind f ( 1 ) = 4 3 {\displaystyle f(1)={\tfrac {4}{3}}} und f ( 3 ) = 0 {\displaystyle f(3)=0} , d. h., die Kurve hat in den Punkten ( 1 , 4 3 ) {\displaystyle (1,{\tfrac {4}{3}})} und ( 3 , 0 ) {\displaystyle (3,0)} waagerechte Tangenten, und nur in diesen.
Da die Folge
f ( 0 ) = 0 , f ( 1 ) = 4 3 , f ( 3 ) = 0 , f ( 4 ) = 4 3 {\displaystyle f(0)=0,\quad f(1)={\frac {4}{3}},\quad f(3)=0,\quad f(4)={\frac {4}{3}}}
abwechselnd aus kleinen und groĂen Werten besteht, muss in diesem Bereich ein Hoch- und ein Tiefpunkt liegen. Nach dem Satz von Fermat hat die Kurve in diesen Punkten eine waagerechte Tangente, es kommen also nur die oben ermittelten Punkte in Frage: Also ist ( 1 , 4 3 ) {\displaystyle (1,{\tfrac {4}{3}})} ein Hochpunkt und ( 3 , 0 ) {\displaystyle (3,0)} ein Tiefpunkt.
Kurvendiskussion
â
Hauptartikel
:
Kurvendiskussion
Mit Hilfe der Ableitungen lassen sich noch weitere Eigenschaften der Funktion analysieren, wie die Existenz von Wende- und Sattelpunkten, die KonvexitĂ€t oder die oben schon angesprochene Monotonie. Die DurchfĂŒhrung dieser Untersuchungen ist Gegenstand der Kurvendiskussion.
Termumformungen
Neben der Bestimmung der Steigung von Funktionen ist die Differentialrechnung durch ihren KalkĂŒl ein wesentliches Hilfsmittel bei der Termumformung. Hierbei löst man sich von jeglichem Zusammenhang mit der ursprĂŒnglichen Bedeutung der Ableitung als Anstieg. Hat man zwei Terme als gleich erkannt, lassen sich durch Differentiation daraus weitere (gesuchte) IdentitĂ€ten gewinnen. Ein Beispiel mag dies verdeutlichen:
Aus der bekannten Partialsumme
â â k = 0 n x k = 1 + x + x 2 + ⯠⯠+ x n = x n + 1 â â 1 x â â 1 {\displaystyle \sum _{k=0}^{n}x^{k}=1+x+x^{2}+\dotsb +x^{n}={\frac {x^{n+1}-1}{x-1}}}
der geometrischen Reihe soll die Summe
â â k = 1 n k x k â â 1 = 1 + 2 x + 3 x 2 + ⯠⯠+ n x n â â 1 {\displaystyle \sum _{k=1}^{n}kx^{k-1}=1+2x+3x^{2}+\dotsb +nx^{n-1}}
berechnet werden. Dies gelingt durch Differentiation mit Hilfe der Quotientenregel:
â â k = 1 n k x k â â 1 = â â k = 0 n k x k â â 1 = d d x â â k = 0 n x k = d d x x n + 1 â â 1 x â â 1 = ( n + 1 ) x n ( x â â 1 ) â â ( x n + 1 â â 1 ) ( x â â 1 ) 2 = n x n + 1 â â ( n + 1 ) x n + 1 ( x â â 1 ) 2 {\displaystyle \sum _{k=1}^{n}kx^{k-1}=\sum _{k=0}^{n}kx^{k-1}={\frac {\mathrm {d} }{\mathrm {d} x}}\sum _{k=0}^{n}x^{k}={\frac {\mathrm {d} }{\mathrm {d} x}}{\frac {x^{n+1}-1}{x-1}}={\frac {(n+1)x^{n}(x-1)-(x^{n+1}-1)}{(x-1)^{2}}}={\frac {nx^{n+1}-(n+1)x^{n}+1}{(x-1)^{2}}}}
Alternativ ergibt sich die IdentitĂ€t auch durch Ausmultiplizieren und anschlieĂendes dreifaches Teleskopieren, was aber nicht so einfach zu durchschauen ist.
Zentrale Aussagen der Differentialrechnung einer Variablen
Fundamentalsatz der Analysis
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Hauptartikel
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Fundamentalsatz der Analysis
Die wesentliche Leistung Leibnizâ war die Erkenntnis, dass Integration und Differentiation zusammenhĂ€ngen. Diese formulierte er im Hauptsatz der Differential- und Integralrechnung, auch Fundamentalsatz der Analysis genannt, der besagt:
Ist I â â R {\displaystyle I\subset \mathbb {R} } ein Intervall, f : : I â â R {\displaystyle f\colon I\to \mathbb {R} } eine stetige Funktion und a â â I {\displaystyle a\in I} eine beliebige Zahl aus I {\displaystyle I} , so ist die Funktion
F : : I â â R , x ⊠⊠⫠⫠a x f ( t ) d t {\displaystyle F\colon I\to \mathbb {R} ,\;x\mapsto \int _{a}^{x}f(t)\,\mathrm {d} t}
stetig differenzierbar, und ihre Ableitung F âČ {\displaystyle F'} ist gleich f {\displaystyle f} .
Hiermit ist also eine Anleitung zum Integrieren gegeben: Gesucht ist eine Funktion F {\displaystyle F} , deren Ableitung F âČ {\displaystyle F'} der Integrand f {\displaystyle f} ist. Dann gilt:cite-ref-43[43]
â« â« a b f ( x ) d x = F ( b ) â â F ( a ) . {\displaystyle \int _{a}^{b}f(x)\,\mathrm {d} x=F(b)-F(a).}
Mittelwertsatz der Differentialrechnung
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Hauptartikel
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Mittelwertsatz der Differentialrechnung
Ein weiterer zentraler Satz der Differentialrechnung ist der Mittelwertsatz, der 1821 von Cauchy bewiesen wurde.cite-ref-44[44]
Es sei f : : [ a , b ] â â R {\displaystyle f\colon [a,b]\to \mathbb {R} } eine Funktion, die auf dem abgeschlossenen Intervall [ a , b ] {\displaystyle [a,b]} (mit a < b {\displaystyle a<b} ) definiert und stetig ist. AuĂerdem sei die Funktion f {\displaystyle f} im offenen Intervall ( a , b ) {\displaystyle (a,b)} differenzierbar. Unter diesen Voraussetzungen gibt es mindestens ein x 0 â â ( a , b ) {\displaystyle x_{0}\in (a,b)} , sodass
f âČ ( x 0 ) = f ( b ) â â f ( a ) b â â a {\displaystyle f'(x_{0})={\frac {f(b)-f(a)}{b-a}}}
Monotonie und Differenzierbarkeit
Ist a < b {\displaystyle a<b} und f : : ( a , b ) â â R {\displaystyle f\colon (a,b)\to \mathbb {R} } eine differenzierbare Funktion mit f âČ ( x ) â 0 {\displaystyle f'(x)\not =0} fĂŒr alle a < x < b {\displaystyle a<x<b} , so gelten folgende Aussagen:cite-ref-46[46]
âą Die Funktion f {\displaystyle f} ist strikt monoton.
âą Es ist f ( ( a , b ) ) = ( c , d ) {\displaystyle f((a,b))=(c,d)} mit irgendwelchen c < d {\displaystyle c<d} .
âą Die Umkehrfunktion f â â 1 : : ( c , d ) â â R {\displaystyle f^{-1}\colon (c,d)\to \mathbb {R} } existiert, ist differenzierbar und erfĂŒllt ( f â â 1 ) âČ ( f ( x ) ) = 1 f âČ ( x ) {\displaystyle (f^{-1})'(f(x))={\frac {1}{f'(x)}}} .
Daraus lĂ€sst sich herleiten, dass eine stetig differenzierbare Funktion f : : ( a , b ) â â f ( ( a , b ) ) {\displaystyle f\colon (a,b)\to f((a,b))} , deren Ableitung nirgends verschwindet, bereits einen Diffeomorphismus zwischen den Intervallen ( a , b ) {\displaystyle (a,b)} und f ( ( a , b ) ) {\displaystyle f((a,b))} definiert. In mehreren Variablen ist die analoge Aussage falsch. So verschwindet die Ableitung der komplexen Exponentialfunktion z ⊠⊠e x p ( z ) {\displaystyle z\mapsto \mathrm {exp} (z)} , nĂ€mlich sie selbst, in keinem Punkt, aber es handelt sich um keine (global) injektive Abbildung C â â e x p ( C ) {\displaystyle \mathbb {C} \to \mathrm {exp} (\mathbb {C} )} . Man beachte, dass diese als höherdimensionale reelle Funktion R 2 â â exp ( R 2 ) {\displaystyle \mathbb {R} ^{2}\to \mathrm {\exp } (\mathbb {R} ^{2})} aufgefasst werden kann, da C {\displaystyle \mathbb {C} } ein zweidimensionaler R {\displaystyle \mathbb {R} } -Vektorraum ist.
Allerdings liefert der Satz von Hadamard ein Kriterium, mit dem in manchen FĂ€llen gezeigt werden kann, dass eine stetig differenzierbare Funktion F : : R n â â R n {\displaystyle F\colon \mathbb {R} ^{n}\to \mathbb {R} ^{n}} ein Homöomorphismus ist.
Die Regel von de LâHospital
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Hauptartikel
:
Regel von de LâHospital
Als eine Anwendung des Mittelwertsatzes lĂ€sst sich eine Beziehung herleiten, die es in manchen FĂ€llen erlaubt, unbestimmte AusdrĂŒcke der Gestalt 0 0 {\displaystyle {\tfrac {0}{0}}} oder â â â â {\displaystyle {\tfrac {\infty }{\infty }}} zu berechnen.cite-ref-47[47]
Seien f , g : : ( a , b ) â â R {\displaystyle f,g\colon (a,b)\to \mathbb {R} } differenzierbar und g {\displaystyle g} habe keine Nullstelle. Ferner gelte entweder
lim x â â a f ( x ) = lim x â â a g ( x ) = 0 {\displaystyle \lim _{x\to a}f(x)=\lim _{x\to a}g(x)=0}
oder
lim x â â a f ( x ) = lim x â â a g ( x ) = ± ± â â {\displaystyle \lim _{x\to a}f(x)=\lim _{x\to a}g(x)=\pm \infty } .
Dann gilt
lim x â â a f ( x ) g ( x ) = lim x â â a f âČ ( x ) g âČ ( x ) , {\displaystyle \lim _{x\to a}{\frac {f(x)}{g(x)}}=\lim _{x\to a}{\frac {f'(x)}{g'(x)}},}
unter der Bedingung, dass der letzte Grenzwert in R âȘ âȘ { ± ± â â } {\displaystyle \mathbb {R} \cup \{\pm \infty \}} existiert.
Differentialrechnung bei Funktionenfolgen und Integralen
In vielen analytischen Anwendungen hat man es nicht mit einer Funktion f {\displaystyle f} , sondern mit einer Folge ( f n ) n â â N {\displaystyle (f_{n})_{n\in \mathbb {N} }} zu tun. Dabei muss geklĂ€rt werden, inwieweit sich der Ableitungsoperator mit Prozessen wie Grenzwerten, Summen oder Integralen vertrĂ€gt.
Grenzfunktionen
Bei einer konvergenten, differenzierbaren Funktionenfolge ( f n ) n â â N {\displaystyle (f_{n})_{n\in \mathbb {N} }} ist es im Allgemeinen nicht möglich, RĂŒckschlĂŒsse auf den Grenzwert der Folge ( f n âČ ) n â â N {\displaystyle (f_{n}')_{n\in \mathbb {N} }} zu ziehen, selbst dann nicht, wenn ( f n ) n â â N {\displaystyle (f_{n})_{n\in \mathbb {N} }} gleichmĂ€Ăig konvergiert. Die analoge Aussage in der Integralrechnung ist hingegen richtig: Bei gleichmĂ€Ăiger Konvergenz können Limes und Integral vertauscht werden, zumindest dann, wenn die Grenzfunktion âgutartigâ ist.
Aus dieser Tatsache kann zumindest Folgendes geschlossen werden: Sei f n : : [ a , b ] â â R {\displaystyle f_{n}\colon [a,b]\to \mathbb {R} } eine Folge stetig differenzierbarer Funktionen, sodass die Folge der Ableitungen f n âČ : : [ a , b ] â â R {\displaystyle f_{n}'\colon [a,b]\to \mathbb {R} } gleichmĂ€Ăig gegen eine Funktion g : : [ a , b ] â â R {\displaystyle g\colon [a,b]\to \mathbb {R} } konvergiert. Es gelte auĂerdem, dass die Folge f n ( x 0 ) {\displaystyle f_{n}(x_{0})} fĂŒr mindestens einen Punkt x 0 â â [ a , b ] {\displaystyle x_{0}\in [a,b]} konvergiert. Dann konvergiert f n : : [ a , b ] â â R {\displaystyle f_{n}\colon [a,b]\to \mathbb {R} } bereits gleichmĂ€Ăig gegen eine differenzierbare Funktion f : : [ a , b ] â â R {\displaystyle f\colon [a,b]\to \mathbb {R} } und es gilt f âČ = g {\displaystyle f'=g} .cite-ref-48[48]
Vertauschen mit unendlichen Reihen
Sei f n : : [ a , b ] â â R {\displaystyle f_{n}\colon [a,b]\to \mathbb {R} } eine Folge stetig differenzierbarer Funktionen, sodass die Reihe â â n = 1 â â | | f n âČ | | â â {\displaystyle \textstyle \sum _{n=1}^{\infty }||f_{n}'||_{\infty }} konvergiert, wobei | | f n âČ | | â â := sup x â â [ a , b ] | f n âČ ( x ) | {\displaystyle ||f_{n}'||_{\infty }:=\sup _{x\in [a,b]}|f_{n}'(x)|} die Supremumsnorm bezeichnet. Konvergiert auĂerdem die Reihe â â n = 1 â â f n ( x 0 ) {\displaystyle \textstyle \sum _{n=1}^{\infty }f_{n}(x_{0})} fĂŒr ein x 0 â â [ a , b ] {\displaystyle x_{0}\in [a,b]} , dann konvergiert die Funktionenreihe g N := â â n = 1 N f n {\displaystyle \textstyle g_{N}:=\sum _{n=1}^{N}f_{n}} gleichmĂ€Ăig gegen eine differenzierbare Funktion, und es giltcite-ref-49[49]
( â â n = 1 â â f n ) âČ ( x ) = â â n = 1 â â f n âČ ( x ) . {\displaystyle \left(\sum _{n=1}^{\infty }f_{n}\right)'(x)=\sum _{n=1}^{\infty }f_{n}'(x).}
Das Resultat geht auf Karl WeierstraĂ zurĂŒck.cite-ref-50[50]
Vertauschen mit Integration
Es sei f : : [ a , b ] Ă Ă [ c , d ] â â R {\displaystyle f\colon [a,b]\times [c,d]\to \mathbb {R} } eine stetige Funktion, sodass die partielle Ableitung
( t , x ) ⊠⊠â â â â x f ( t , x ) {\displaystyle (t,x)\mapsto {\frac {\partial }{\partial x}}f(t,x)}
existiert und stetig ist. Dann ist auch
g ( x ) := â« â« a b f ( t , x ) d t {\displaystyle g(x):=\int _{a}^{b}f(t,x)\mathrm {d} t}
differenzierbar, und es gilt
g âČ ( x ) = â« â« a b â â â â x f ( t , x ) d t . {\displaystyle g'(x)=\int _{a}^{b}{\frac {\partial }{\partial x}}f(t,x)\mathrm {d} t.}
Diese Regel wird auch als Leibnizsche Regel bezeichnet.cite-ref-51[51]
Differentialrechnung ĂŒber den komplexen Zahlen
Bisher wurde nur von reellen Funktionen gesprochen. Alle behandelten Regeln lassen sich jedoch auf Funktionen mit komplexen Eingaben und Werten ĂŒbertragen. Dies hat den Hintergrund, dass die komplexen Zahlen C {\displaystyle \mathbb {C} } genau wie die reellen Zahlen einen Körper bilden, dort also Addition, Multiplikation und Division erklĂ€rt ist. Diese zusĂ€tzliche Struktur bildet den entscheidenden Unterschied zu einer Herangehensweise mehrdimensionaler reeller Ableitungen, wenn C {\displaystyle \mathbb {C} } bloĂ als zweidimensionaler R {\displaystyle \mathbb {R} } -Vektorraum aufgefasst wird. Ferner lassen sich die euklidischen Abstandsbegriffe der reellen Zahlen (siehe auch Euklidischer Raum) auf natĂŒrliche Weise auf komplexe Zahlen ĂŒbertragen. Dies erlaubt eine analoge Definition und Behandlung der fĂŒr die Differentialrechnung wichtigen Begriffe wie Folge und Grenzwert.cite-ref-52[52]
Ist also U â â C {\displaystyle U\subset \mathbb {C} } offen, f : : U â â C {\displaystyle f\colon U\to \mathbb {C} } eine komplexwertige Funktion, so heiĂt f {\displaystyle f} an der Stelle z â â U {\displaystyle z\in U} komplex differenzierbar, wenn der Grenzwert
lim h â â 0 f ( z + h ) â â f ( z ) h {\displaystyle \lim _{h\to 0}{\frac {f(z+h)-f(z)}{h}}}
existiert.cite-ref-53[53] Dieser wird mit f âČ ( z ) {\displaystyle f'(z)} bezeichnet und (komplexe) Ableitung von f {\displaystyle f} an der Stelle z {\displaystyle z} genannt. Es ist demnach möglich, den Begriff der Linearisierung ins Komplexe weiterzutragen: Die Ableitung f âČ ( z ) {\displaystyle f'(z)} ist die âSteigungâ der linearen Funktion, die f {\displaystyle f} bei z {\displaystyle z} optimal approximiert. Allerdings ist darauf zu achten, dass der Wert h {\displaystyle h} im Grenzwert nicht nur reelle, sondern auch komplexe Zahlen (nahe bei 0) annehmen kann. Dies hat zur Folge, dass der Terminus der komplexen Differenzierbarkeit wesentlich restriktiver ist als jener der reellen Differenzierbarkeit. WĂ€hrend im Reellen nur zwei Richtungen im Differenzenquotienten betrachtet werden mussten, sind es im Komplexen unendlich viele Richtungen, da diese keine Gerade, sondern eine Ebene aufspannen. So ist beispielsweise die Betragsfunktion z ⊠⊠| z | {\displaystyle z\mapsto |z|} nirgends komplex differenzierbar. Eine komplexe Funktion ist genau dann komplex differenzierbar in einem Punkt, wenn sie dort die Cauchy-Riemannschen Differentialgleichungen erfĂŒllt und total differenzierbar ist.cite-ref-54[54]
Trotz (bzw. gerade wegen) des viel einschrĂ€nkenderen Begriffs der komplexen Differenzierbarkeit ĂŒbertragen sich alle ĂŒblichen Rechenregeln der reellen Differentialrechnung in die komplexe Differentialrechnung. Dazu gehören die Ableitungsregeln, also zum Beispiel Summen-, Produkt- und Kettenregel, wie auch die Umkehrregel fĂŒr inverse Funktionen. Viele Funktionen, wie Potenzen, die Exponentialfunktion oder der Logarithmus, haben natĂŒrliche Fortsetzungen in die komplexen Zahlen und besitzen weiterhin ihre charakteristischen Eigenschaften. Von diesem Gesichtspunkt her ist die komplexe Differentialrechnung mit ihrem reellen Analogon identisch.
Wenn eine Funktion f {\displaystyle f} in ganz U {\displaystyle U} komplex differenzierbar ist, nennt man sie auch eine in U {\displaystyle U} holomorphe Funktion.cite-ref-55[55] Holomorphe Funktionen haben bedeutende Eigenschaften. So ist zum Beispiel jede holomorphe Funktion bereits (in jedem Punkt) beliebig oft differenzierbar. Die daraus aufkommende Klassifizierungfrage holomorpher Funktionen ist Gegenstand der Funktionentheorie. Es stellt sich heraus, dass im komplex-eindimensionalen Fall der Begriff holomorph Ă€quivalent zum Begriff analytisch ist. Demnach ist jede holomorphe Funktion analytisch und umgekehrt. Ist eine Funktion sogar in ganz C {\displaystyle \mathbb {C} } holomorph, so nennt man sie ganz. Beispiele fĂŒr ganze Funktionen sind die Potenzfunktionen z ⊠⊠z n {\displaystyle z\mapsto z^{n}} mit natĂŒrlichen Zahlen n {\displaystyle n} sowie z ⊠⊠e z {\displaystyle z\mapsto e^{z}} , z ⊠⊠sin ⥠⥠( z ) {\displaystyle z\mapsto \sin(z)} und z ⊠⊠cos ⥠⥠( z ) {\displaystyle z\mapsto \cos(z)} .
Differentialrechnung mehrdimensionaler Funktionen
Alle vorherigen AusfĂŒhrungen legten eine Funktion in einer Variablen (also mit einer reellen oder komplexen Zahl als Argument) zugrunde. Funktionen, die Vektoren auf Vektoren oder Vektoren auf Zahlen abbilden, können ebenfalls eine Ableitung haben. Allerdings ist eine Tangente an den Funktionsgraph in diesen FĂ€llen nicht mehr eindeutig bestimmt, da es viele verschiedene Richtungen gibt. Hier ist also eine Erweiterung des bisherigen Ableitungsbegriffs notwendig.
Mehrdimensionale Differenzierbarkeit und die Jacobi-Matrix
Richtungsableitung
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Hauptartikel
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Richtungsableitung
Es sei U â â R n {\displaystyle U\subset \mathbb {R} ^{n}} offen, f : : U â â R m {\displaystyle f\colon U\to \mathbb {R} ^{m}} eine Funktion, x 0 â â U {\displaystyle x_{0}\in U} und v â â R n â â { 0 } {\displaystyle v\in \mathbb {R} ^{n}\setminus \{0\}} ein (Richtungs-)Vektor. Aufgrund der Offenheit von U {\displaystyle U} gibt es ein Δ Δ > 0 {\displaystyle \varepsilon >0} mit x 0 + h v â â U {\displaystyle x_{0}+hv\in U} fĂŒr alle | h | < Δ Δ {\displaystyle |h|<\varepsilon } , weshalb die Funktion ( â â Δ Δ , Δ Δ ) â â R m {\displaystyle (-\varepsilon ,\varepsilon )\to \mathbb {R} ^{m}} mit h ⊠⊠f ( x 0 + h v ) {\displaystyle h\mapsto f(x_{0}+hv)} wohldefiniert ist. Ist diese Funktion in h = 0 {\displaystyle h=0} differenzierbar, so heiĂt ihre Ableitung Richtungsableitung von f {\displaystyle f} an der Stelle x 0 {\displaystyle x_{0}} in der Richtung v {\displaystyle v} und wird meistens mit D v f ( x 0 ) {\displaystyle D_{v}f(x_{0})} bezeichnet.cite-ref-ae157-56-0[56] Es gilt:
D v f ( x 0 ) = lim h â â 0 f ( x 0 + h v ) â â f ( x 0 ) h . {\displaystyle D_{v}f(x_{0})=\lim _{h\to 0}{\frac {f(x_{0}+hv)-f(x_{0})}{h}}.}
Es besteht ein Zusammenhang zwischen der Richtungsableitung und der Jacobi-Matrix. Ist f {\displaystyle f} differenzierbar, dann existiert D v f ( x 0 ) {\displaystyle D_{v}f(x_{0})} und es gilt in einer Umgebung von x 0 {\displaystyle x_{0}} :
f ( x 0 + h v ) = f ( x 0 ) + J f ( x 0 ) ( h v ) + o ( | | h v | | ) = f ( x 0 ) + h J f ( x 0 ) v + o ( | h | ) , {\displaystyle f(x_{0}+hv)=f(x_{0})+J_{f}(x_{0})(hv)+o(||hv||)=f(x_{0})+hJ_{f}(x_{0})v+o(|h|),}
wobei die Schreibweise o {\displaystyle o} das entsprechende Landau-Symbol bezeichnet.cite-ref-57[57]
Es werde als Beispiel eine Funktion R 3 â â R {\displaystyle \mathbb {R} ^{3}\to \mathbb {R} } betrachtet, also ein Skalarfeld. Diese könnte eine Temperaturfunktion sein: In AbhĂ€ngigkeit vom Ort wird die Temperatur im Zimmer gemessen, um zu beurteilen, wie effektiv die Heizung ist. Wird das Thermometer in eine bestimmte Raumrichtung bewegt, ist eine VerĂ€nderung der Temperatur festzustellen. Dies entspricht genau der entsprechenden Richtungsableitung.
Partielle Ableitungen
â
Hauptartikel
:
Partielle Ableitung
Die Richtungsableitungen in spezielle Richtungen e j {\displaystyle e_{j}} , nÀmlich in die der Koordinatenachsen mit der LÀnge | | e j | | = | | v | | = 1 {\displaystyle ||e_{j}||=||v||=1} , nennt man die partiellen Ableitungen.
Insgesamt lassen sich fĂŒr eine Funktion in n {\displaystyle n} Variablen n {\displaystyle n} partielle Ableitungen errechnen:cite-ref-58[58]
â â f ( x 1 , ⊠⊠, x n ) â â x i = lim h i â â 0 f ( x 1 , ⊠⊠, x i + h i , ⊠⊠, x n ) â â f ( x 1 , ⊠⊠, x i , ⊠⊠, x n ) h i ; i â â { 1 , ⊠⊠, n } {\displaystyle {\frac {\partial f(x_{1},\dots ,x_{n})}{\partial x_{i}}}=\lim _{h_{i}\to 0}{\frac {f(x_{1},\dots ,x_{i}+h_{i},\dots ,x_{n})-f(x_{1},\dots ,x_{i},\dots ,x_{n})}{h_{i}}};\quad i\in \{1,\dots ,n\}}
Die einzelnen partiellen Ableitungen einer Funktion lassen sich auch gebĂŒndelt als Gradient oder Nablavektor anschreiben:cite-ref-59[59]
g r a d ( f ) ( x 1 , ⊠⊠, x n ) = â â f ( x 1 , ⊠⊠, x n ) = ( â â f ( x 1 , ⊠⊠, x n ) â â x 1 , â â f ( x 1 , ⊠⊠, x n ) â â x 2 , ⊠⊠, â â f ( x 1 , ⊠⊠, x n ) â â x n ) . {\displaystyle \mathrm {grad} (f)(x_{1},\dots ,x_{n})=\nabla f(x_{1},\dots ,x_{n})=\left({\frac {\partial f(x_{1},\dots ,x_{n})}{\partial x_{1}}},{\frac {\partial f(x_{1},\dots ,x_{n})}{\partial x_{2}}},\dots ,{\frac {\partial f(x_{1},\dots ,x_{n})}{\partial x_{n}}}\right).}
Meist wird der Gradient als Zeilenvektor (also âliegendâ) geschrieben. In manchen Anwendungen, besonders in der Physik, ist jedoch auch die Schreibweise als Spaltenvektor (also âstehendâ) ĂŒblich. Partielle Ableitungen können selbst differenzierbar sein und ihre partiellen Ableitungen lassen sich dann in der sogenannten Hesse-Matrix anordnen.
Totale Differenzierbarkeit
â
Hauptartikel
:
Totale Differenzierbarkeit
Eine Funktion f : : U â â R n â â R m {\displaystyle f\colon U\subset \mathbb {R} ^{n}\to \mathbb {R} ^{m}} mit ( x 1 , ⊠⊠, x n ) ⊠⊠( f 1 ( x 1 , ⊠⊠, x n ) , ⊠⊠, f m ( x 1 , ⊠⊠, x n ) ) {\displaystyle (x_{1},\dots ,x_{n})\mapsto (f_{1}(x_{1},\dots ,x_{n}),\dots ,f_{m}(x_{1},\dots ,x_{n}))} , wobei U {\displaystyle U} eine offene Menge ist, heiĂt in einem Punkt x 0 â â U {\displaystyle x_{0}\in U} total differenzierbar (oder auch nur differenzierbar, manchmal auch FrĂ©chet-differenzierbarcite-ref-ae157-56-1[56]), falls eine lineare Abbildung L : : R n â â R m {\displaystyle L\colon \mathbb {R} ^{n}\to \mathbb {R} ^{m}} existiert, sodass
lim h â â 0 f ( x 0 + h ) â â f ( x 0 ) â â L ( h ) â â h â â = 0 {\displaystyle \lim _{h\to 0}{\frac {f(x_{0}+h)-f(x_{0})-L(h)}{\|h\|}}=0}
gilt.cite-ref-60[60] FĂŒr den eindimensionalen Fall stimmt diese Definition mit der oben angegebenen ĂŒberein. Die lineare Abbildung L {\displaystyle L} ist bei Existenz eindeutig bestimmt, ist also insbesondere unabhĂ€ngig von der Wahl Ă€quivalenter Normen. Die Tangente wird daher durch die lokale Linearisierung der Funktion abstrahiert. Die Matrixdarstellung der ersten Ableitung von f {\displaystyle f} nennt man Jacobi-Matrix. Es handelt sich um eine ( m Ă Ă n ) {\displaystyle (m\times n)} -Matrix. FĂŒr m = 1 {\displaystyle m=1} erhĂ€lt man den weiter oben beschriebenen Gradienten.
Zwischen den partiellen Ableitungen und der totalen Ableitung besteht folgender Zusammenhang: Existiert in einem Punkt die totale Ableitung, so existieren dort auch alle partiellen Ableitungen. In diesem Fall stimmen die partiellen Ableitungen mit den Koeffizienten der Jacobi-Matrix ĂŒberein:
L = J f ( x 0 ) = ( â â f 1 â â x 1 ( x 0 ) â â f 1 â â x 2 ( x 0 ) ⊠⊠â â f 1 â â x n ( x 0 ) âź âź âź âź â± â± âź âź â â f m â â x 1 ( x 0 ) â â f m â â x 2 ( x 0 ) ⊠⊠â â f m â â x n ( x 0 ) ) . {\displaystyle L=J_{f}(x_{0})={\begin{pmatrix}{\frac {\partial f_{1}}{\partial x_{1}}}(x_{0})&{\frac {\partial f_{1}}{\partial x_{2}}}(x_{0})&\ldots &{\frac {\partial f_{1}}{\partial x_{n}}}(x_{0})\\\vdots &\vdots &\ddots &\vdots \\{\frac {\partial f_{m}}{\partial x_{1}}}(x_{0})&{\frac {\partial f_{m}}{\partial x_{2}}}(x_{0})&\ldots &{\frac {\partial f_{m}}{\partial x_{n}}}(x_{0})\end{pmatrix}}.}
Umgekehrt folgt aus der Existenz der partiellen Ableitungen in einem Punkt x 0 {\displaystyle x_{0}} nicht zwingend die totale Differenzierbarkeit, ja nicht einmal die Stetigkeit. Sind die partiellen Ableitungen jedoch zusÀtzlich in einer Umgebung von x 0 {\displaystyle x_{0}} stetig, dann ist die Funktion in x 0 {\displaystyle x_{0}} auch total differenzierbar.cite-ref-61[61]
Rechenregeln der mehrdimensionalen Differentialrechnung
Kettenregel
â
Hauptartikel
:
Mehrdimensionale Kettenregel
Es seien U â â R n {\displaystyle U\subset \mathbb {R} ^{n}} und V â â R m {\displaystyle V\subset \mathbb {R} ^{m}} offen sowie f : : U â â R m {\displaystyle f\colon U\to \mathbb {R} ^{m}} und g : : V â â R â â {\displaystyle g\colon V\to \mathbb {R} ^{\ell }} in x 0 â â U {\displaystyle x_{0}\in U} bzw. y 0 := f ( x 0 ) {\displaystyle y_{0}:=f(x_{0})} differenzierbar, wobei f ( U ) â â V {\displaystyle f(U)\subset V} . Dann ist h : : U â â R â â {\displaystyle h\colon U\to \mathbb {R} ^{\ell }} mit h ( x ) := g ( f ( x ) ) {\displaystyle h(x):=g(f(x))} in x 0 {\displaystyle x_{0}} differenzierbar mit Jacobi-Matrix
J h ( x 0 ) = J g â â f ( x 0 ) = J g ( f ( x 0 ) ) J f ( x 0 ) . {\displaystyle J_{h}(x_{0})=J_{g\circ f}(x_{0})=J_{g}(f(x_{0}))J_{f}(x_{0}).}
Mit anderen Worten, die Jacobi-Matrix der Komposition h = g â â f {\displaystyle h=g\circ f} ist das Produkt der Jacobi-Matrizen von g {\displaystyle g} und f {\displaystyle f} .cite-ref-62[62] Es ist zu beachten, dass die Reihenfolge der Faktoren im Gegensatz zum klassischen eindimensionalen Fall eine Rolle spielt.
Produktregel
Siehe auch
:
Mehrdimensionale Produktregel
Mit Hilfe der Kettenregel kann die Produktregel auf reellwertige Funktionen mit höherdimensionalem Definitionsbereich verallgemeinert werden.cite-ref-63[63] Ist U â â R n {\displaystyle U\subset \mathbb {R} ^{n}} offen und sind f , g : : U â â R {\displaystyle f,g\colon U\to \mathbb {R} } beide in x 0 â â U {\displaystyle x_{0}\in U} differenzierbar, so folgt
J f g ( x 0 ) = f ( x 0 ) J g ( x 0 ) + g ( x 0 ) J f ( x 0 ) {\displaystyle J_{fg}(x_{0})=f(x_{0})J_{g}(x_{0})+g(x_{0})J_{f}(x_{0})}
oder in der Gradientenschreibweise
â â ( f g ) ( x 0 ) = f ( x 0 ) â â g ( x 0 ) + g ( x 0 ) â â f ( x 0 ) . {\displaystyle \nabla (fg)(x_{0})=f(x_{0})\nabla g(x_{0})+g(x_{0})\nabla f(x_{0}).}
Funktionenfolgen
Sei U â â R n {\displaystyle U\subset \mathbb {R} ^{n}} offen. Es bezeichne f k {\displaystyle f_{k}} eine Folge stetig differenzierbarer Funktionen f k : : U â â R m {\displaystyle f_{k}\colon U\to \mathbb {R} ^{m}} , sodass es Funktionen f : : U â â R m {\displaystyle f\colon U\to \mathbb {R} ^{m}} und g : : U â â L ( R n , R m ) {\displaystyle g\colon U\to {\mathcal {L}}(\mathbb {R} ^{n},\mathbb {R} ^{m})} gibt (dabei ist L ( R n , R m ) {\displaystyle {\mathcal {L}}(\mathbb {R} ^{n},\mathbb {R} ^{m})} der Raum der linearen Abbildungen von R n {\displaystyle \mathbb {R} ^{n}} nach R m {\displaystyle \mathbb {R} ^{m}} ), sodass Folgendes gilt:
âą ( f k ) {\displaystyle (f_{k})} konvergiert punktweise gegen f {\displaystyle f} ,
âą ( J f k ) {\displaystyle (J_{f_{k}})} konvergiert lokal gleichmĂ€Ăig gegen g {\displaystyle g} .
Dann ist f {\displaystyle f} stetig differenzierbar auf U {\displaystyle U} und es gilt J f ( x ) = g ( x ) {\displaystyle J_{f}(x)=g(x)} .cite-ref-64[64]
Implizite Differentiation
â
Hauptartikel
:
Implizite Differentiation
Ist eine Funktion x ⊠⊠y ( x ) {\displaystyle x\mapsto y(x)} durch eine implizite Gleichung F ( x , y ( x ) ) = 0 {\displaystyle F(x,y(x))=0} gegeben, so folgt aus der mehrdimensionalen Kettenregel, die fĂŒr Funktionen mehrerer Variablen gilt,
F x + F y y âČ = 0. {\displaystyle F_{x}+F_{y}y'=0.}
FĂŒr die Ableitung der Funktion y {\displaystyle y} ergibt sich daher
y âČ = â â F x F y {\displaystyle y'=-{\frac {F_{x}}{F_{y}}}}
mit F x = â â F â â x , F y = â â F â â y {\displaystyle F_{x}={\frac {\partial F}{\partial x}},F_{y}={\frac {\partial F}{\partial y}}} und F y â â 0. {\displaystyle F_{y}\neq 0.}
Zentrale SÀtze der Differentialrechnung mehrerer VerÀnderlicher
Satz von Schwarz
â
Hauptartikel
:
Satz von Schwarz
Die Differentiationsreihenfolge ist bei der Berechnung partieller Ableitungen höherer Ordnung unerheblich, wenn alle partiellen Ableitungen bis zu dieser Ordnung (einschlieĂlich) stetig sind. Dies bedeutet konkret: Ist U â â R n {\displaystyle U\subset \mathbb {R} ^{n}} offen und die Funktion f : : U â â R {\displaystyle f\colon U\to \mathbb {R} } zweimal stetig differenzierbar (d. h., alle zweifachen partiellen Ableitungen existieren und sind stetig), so gilt fĂŒr alle 1 ††j , k ††n {\displaystyle 1\leq j,k\leq n} und x â â U {\displaystyle x\in U} :
â â â â x j â â â â x k f ( x 1 , ⊠⊠, x n ) = â â â â x k â â â â x j f ( x 1 , ⊠⊠, x n ) . {\displaystyle {\frac {\partial }{\partial x_{j}}}{\frac {\partial }{\partial x_{k}}}f(x_{1},\dots ,x_{n})={\frac {\partial }{\partial x_{k}}}{\frac {\partial }{\partial x_{j}}}f(x_{1},\dots ,x_{n}).}
Der Satz wird falsch, wenn die Stetigkeit der zweifachen partiellen Ableitungen weggelassen wird.cite-ref-65[65]
Satz von der impliziten Funktion
â
Hauptartikel
:
Satz von der impliziten Funktion
Der Satz von der impliziten Funktion besagt, dass Funktionsgleichungen auflösbar sind, falls die Jacobi-Matrix bezĂŒglich bestimmter Variablen lokal invertierbar ist.cite-ref-66[66]
Mittelwertsatz
Ăber den höherdimensionalen Mittelwertsatz gelingt es, eine Funktion entlang einer Verbindungsstrecke abzuschĂ€tzen, wenn die dortigen Ableitungen bekannt sind. Seien U â â R n {\displaystyle U\subset \mathbb {R} ^{n}} offen und f : : U â â R m {\displaystyle f\colon U\to \mathbb {R} ^{m}} differenzierbar. Gegeben seien zudem zwei Punkte x , y â â U {\displaystyle x,y\in U} , sodass die Verbindungsstrecke { x + t ( y â â x ) ⣠⣠0 ††t ††1 } {\displaystyle \{x+t(y-x)\mid 0\leq t\leq 1\}} eine Teilmenge von U {\displaystyle U} ist. Dann postuliert der Mittelwertsatz die Ungleichung:cite-ref-67[67]
| | f ( y ) â â f ( x ) | | ††sup 0 ††t ††1 | | J f ( x + t ( y â â x ) ) | | â
â
| | y â â x | | . {\displaystyle ||f(y)-f(x)||\leq \sup _{0\leq t\leq 1}||J_{f}(x+t(y-x))||\cdot ||y-x||.}
Eine prĂ€zisere Aussage ist indes fĂŒr den Fall reellwertiger Funktionen in mehreren VerĂ€nderlichen möglich, siehe auch Mittelwertsatz fĂŒr reellwertige Funktionen mehrerer Variablen.
Höhere Ableitungen im Mehrdimensionalen
Auch im Fall höherdimensionaler Funktionen können höhere Ableitungen betrachtet werden. Die Konzepte haben jedoch einige starke Unterschiede zum klassischen Fall, die besonders im Falle mehrerer VerĂ€nderlicher in Erscheinung treten. Bereits die Jacobi-Matrix lĂ€sst erkennen, dass die Ableitung einer höherdimensionalen Funktion an einer Stelle nicht mehr die gleiche Gestalt wie der dortige Funktionswert haben muss. Wird nun die erste Ableitung x ⊠⊠J f ( x ) {\displaystyle x\mapsto J_{f}(x)} erneut abgeleitet, so ist die erneute âJacobi-Matrixâ im Allgemeinen ein noch umfangreicheres Objekt. FĂŒr dessen Beschreibung ist das Konzept der multilinearen Abbildungen bzw. des Tensors erforderlich. Ist â â 0 f := f {\displaystyle \partial ^{0}f:=f} , so ordnet â â f : : U â â L ( R n , R m ) {\displaystyle \partial f\colon U\to {\mathcal {L}}(\mathbb {R} ^{n},\mathbb {R} ^{m})} jedem Punkt eine ( m Ă Ă n ) {\displaystyle (m\times n)} -Matrix (lineare Abbildung von R n {\displaystyle \mathbb {R} ^{n}} nach R m {\displaystyle \mathbb {R} ^{m}} ) zu. Induktiv definiert man fĂŒr die höheren Ableitungen
â â â â f ( x 0 ) := â â ( â â â â â â 1 f ) ( x 0 ) â â L ( R n , L â â â â 1 ( R n , R m ) ) = L â â ( R n , R m ) , {\displaystyle \partial ^{\ell }f(x_{0}):=\partial (\partial ^{\ell -1}f)(x_{0})\in {\mathcal {L}}(\mathbb {R} ^{n},{\mathcal {L}}^{\ell -1}(\mathbb {R} ^{n},\mathbb {R} ^{m}))={\mathcal {L}}^{\ell }(\mathbb {R} ^{n},\mathbb {R} ^{m}),}
wobei L â â ( R n , R m ) {\displaystyle {\mathcal {L}}^{\ell }(\mathbb {R} ^{n},\mathbb {R} ^{m})} der Raum der â â {\displaystyle \ell } -multilinearen Abbildungen von R n à à ⯠⯠à à R n â â â â â â m a l {\displaystyle \underbrace {\mathbb {R} ^{n}\times \cdots \times \mathbb {R} ^{n}} _{\ell -\mathrm {mal} }} nach R m {\displaystyle \mathbb {R} ^{m}} bezeichnet. Analog wie im eindimensionalen Fall definiert man die RĂ€ume der â â {\displaystyle \ell } -mal stetig differenzierbaren Funktionen auf U â â R n {\displaystyle U\subset \mathbb {R} ^{n}} durch C â â ( U , R m ) {\displaystyle C^{\ell }(U,\mathbb {R} ^{m})} und die glatten Funktionen viacite-ref-68[68]
C â â ( U , R m ) := â â â â = 1 â â C â â ( U , R m ) . {\displaystyle C^{\infty }(U,\mathbb {R} ^{m}):=\bigcap _{\ell =1}^{\infty }C^{\ell }(U,\mathbb {R} ^{m}).}
Auch die Konzepte der Taylor-Formeln und der Taylorreihe lassen sich auf den höherdimensionalen Fall verallgemeinern, siehe auch Taylor-Formel im Mehrdimensionalen bzw. mehrdimensionale Taylorreihe.
Anwendungen
Fehlerrechnung
Ein Anwendungsbeispiel der Differentialrechnung mehrerer VerĂ€nderlicher betrifft die Fehlerrechnung, zum Beispiel im Kontext der Experimentalphysik. WĂ€hrend man im einfachsten Falle die zu bestimmende GröĂe direkt messen kann, wird es meistens der Fall sein, dass sie sich durch einen funktionalen Zusammenhang aus einfacher zu messenden GröĂen ergibt. Typischerweise hat jede Messung eine gewisse Unsicherheit, die man durch Angabe des Messfehlers zu quantifizieren versucht.cite-ref-arens794-69-0[69]
Bezeichnet zum Beispiel V : : R > 0 3 â â R {\displaystyle V\colon \mathbb {R} _{>0}^{3}\to \mathbb {R} } mit ( l , b , h ) ⊠⊠l b h {\displaystyle (l,b,h)\mapsto lbh} das Volumen eines Quaders, so könnte das Ergebnis V {\displaystyle V} experimentell ermittelt werden, indem man LĂ€nge l {\displaystyle l} , Breite b {\displaystyle b} und Höhe h {\displaystyle h} einzeln misst. Treten bei diesen die Fehler Î Î l {\displaystyle \Delta l} , Î Î b {\displaystyle \Delta b} und Î Î h {\displaystyle \Delta h} auf, so gilt fĂŒr den Fehler in der Volumenberechnung:
Î Î V = b h Î Î l + h l Î Î b + l b Î Î h . {\displaystyle \Delta V=bh\Delta l+hl\Delta b+lb\Delta h.}
Allgemein gilt, dass wenn eine zu messende GröĂe funktional von einzeln gemessenen GröĂen x 1 , ⊠⊠, x n {\displaystyle x_{1},\dots ,x_{n}} durch f : : R n â â R {\displaystyle f\colon \mathbb {R} ^{n}\to \mathbb {R} } abhĂ€ngt und bei deren Messungen jeweils die Fehler Î Î x k {\displaystyle \Delta x_{k}} entstehen, der Fehler der daraus errechneten GröĂe ungefĂ€hr bei
Î Î f = â â k = 1 n | â â f â â x k ( m ) | Î Î x k {\displaystyle \Delta f=\sum _{k=1}^{n}\left|{\frac {\partial f}{\partial x_{k}}}({\boldsymbol {m}})\right|\Delta x_{k}}
liegen wird. Dabei bezeichnet der Vektor m {\displaystyle {\boldsymbol {m}}} die exakten Terme der einzelnen Messungen.cite-ref-arens794-69-1[69]
LösungsnÀherung von Gleichungssystemen
Viele höhere Gleichungssysteme lassen sich nicht algebraisch geschlossen lösen. In manchen FĂ€llen kann man aber zumindest eine ungefĂ€hre Lösung ermitteln. Ist das System durch f ( x ) = 0 {\displaystyle f({\boldsymbol {x}})={\boldsymbol {0}}} gegeben, mit einer stetig differenzierbaren Funktion f : : R m â â R m {\displaystyle f\colon \mathbb {R} ^{m}\to \mathbb {R} ^{m}} , so konvergiert die Iterationsvorschrift
x n + 1 := x n â â J f ( x n ) â â 1 f ( x n ) {\displaystyle {\boldsymbol {x}}_{n+1}:={\boldsymbol {x}}_{n}-J_{f}({\boldsymbol {x}}_{n})^{-1}f({\boldsymbol {x}}_{n})}
unter gewissen Voraussetzungen gegen eine Nullstelle. Dabei bezeichnet J f ( x n ) â â 1 {\displaystyle J_{f}({\boldsymbol {x}}_{n})^{-1}} das Inverse der Jacobi-Matrix zu f {\displaystyle f} . Der Prozess stellt eine Verallgemeinerung des klassischen eindimensionalen Newton-Verfahrens dar. Aufwendig ist allerdings die Berechnung dieser Inversen in jedem Schritt. Unter Verschlechterung der Konvergenzrate kann in manchen FĂ€llen die Modifikation J f ( x 0 ) â â 1 {\displaystyle J_{f}({\boldsymbol {x}}_{0})^{-1}} statt J f ( x n ) â â 1 {\displaystyle J_{f}({\boldsymbol {x}}_{n})^{-1}} vorgenommen werden, womit nur eine Matrix invertiert werden muss.cite-ref-arens803-70-0[70]
Extremwertaufgaben
Auch fĂŒr die Kurvendiskussion von Funktionen f : : R m â â R {\displaystyle f\colon \mathbb {R} ^{m}\to \mathbb {R} } ist die Auffindung von Minima bzw. Maxima, zusammengefasst Extrema, ein wesentliches Anliegen. Die mehrdimensionale Differentialrechnung liefert Möglichkeiten, diese zu bestimmen, sofern die betrachtete Funktion zweimal stetig differenzierbar ist. Analog zum Eindimensionalen besagt die notwendige Bedingung fĂŒr die Existenz fĂŒr Extrema, dass im besagten Punkt x {\displaystyle {\boldsymbol {x}}} alle partiellen Ableitungen 0 sein mĂŒssen, also
â â f â â x j ( x ) = 0 {\displaystyle {\frac {\partial f}{\partial x_{j}}}({\boldsymbol {x}})=0}
fĂŒr alle 1 ††j ††m {\displaystyle 1\leq j\leq m} . Dieses Kriterium ist nicht hinreichend, dient aber dazu, diese kritischen Punkte als mögliche Kandidaten fĂŒr Extrema zu ermitteln. Unter Bestimmung der Hesse-Matrix, der zweiten Ableitung, kann anschlieĂend in manchen FĂ€llen entschieden werden, um welche Art Extremstelle es sich handelt.cite-ref-arens811-71-0[71] Im Gegensatz zum Eindimensionalen ist die Formenvielfalt kritischer Punkte gröĂer. Mittels einer Hauptachsentransformation, also einer detaillierten Untersuchung der Eigenwerte, der durch eine mehrdimensionale Taylor-Entwicklung im betrachteten Punkt gegebenen quadratischen Form lassen sich die verschiedenen FĂ€lle klassifizieren.cite-ref-arens812-72-0[72]
Optimierung unter Nebenbedingungen
HĂ€ufig ist bei Optimierungsproblemen die Zielfunktion f : : R m â â R {\displaystyle f\colon \mathbb {R} ^{m}\to \mathbb {R} } lediglich auf einer Teilmenge D â â R m {\displaystyle D\subset \mathbb {R} ^{m}} zu minimieren, wobei D {\displaystyle D} durch sog. Nebenbedingungen bzw. Restriktionen bestimmt ist. Ein Verfahren, das zur Lösung solcher Probleme herangezogen werden kann, ist die Lagrangesche Multiplikatorregel.cite-ref-73[73] Diese nutzt die mehrdimensionale Differentialrechnung und lĂ€sst sich sogar auf Ungleichungsnebenbedingungen ausweiten.cite-ref-74[74]
Beispiel aus der Mikroökonomie
In der Mikroökonomie werden beispielsweise verschiedene Arten von Produktionsfunktionen analysiert, um daraus Erkenntnisse fĂŒr makroökonomische ZusammenhĂ€nge zu gewinnen. Hier ist vor allem das typische Verhalten einer Produktionsfunktion von Interesse: Wie reagiert die abhĂ€ngige Variable Output y {\displaystyle y} (z. B. Output einer Volkswirtschaft), wenn die Inputfaktoren (hier: Arbeit und Kapital) um eine infinitesimal kleine Einheit erhöht werden?
Ein Grundtyp einer Produktionsfunktion ist etwa die neoklassische Produktionsfunktion. Sie zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass der Output bei jedem zusĂ€tzlichen Input steigt, dass aber die ZuwĂ€chse abnehmend sind. Es sei beispielsweise fĂŒr eine Volkswirtschaft die Cobb-Douglas-Funktion
F ( K , L ) = T â
â
K α α L 1 â â α α {\displaystyle F(K,L)=T\cdot K^{\alpha }L^{1-\alpha }} mit α α â â ( 0 , 1 ) {\displaystyle \alpha \in (0,1)}
maĂgebend. Zu jedem Zeitpunkt wird in der Volkswirtschaft unter dem Einsatz der Produktionsfaktoren Arbeit L {\displaystyle L} und Kapital K {\displaystyle K} mithilfe eines gegebenen Technologielevels T {\displaystyle T} Output produziert. Die erste Ableitung dieser Funktion nach den Produktionsfaktoren ergibt:
â â F ( K , L ) â â L = ( 1 â â α α ) â
â
T â
â
K α α L â â α α {\displaystyle {\frac {\partial F(K,L)}{\partial L}}=(1-\alpha )\cdot T\cdot K^{\alpha }L^{-\alpha }}
â â F ( K , L ) â â K = α α â
â
T â
â
K â â ( 1 â â α α ) L 1 â â α α {\displaystyle {\frac {\partial F(K,L)}{\partial K}}=\alpha \cdot T\cdot K^{-(1-\alpha )}L^{1-\alpha }} .
Da die partiellen Ableitungen aufgrund der BeschrĂ€nkung α α â â ( 0 , 1 ) {\displaystyle \alpha \in (0,1)} nur positiv werden können, sieht man, dass der Output bei einer Erhöhung der jeweiligen Inputfaktoren steigt. Die partiellen Ableitungen 2. Ordnung ergeben:
â â 2 F ( K , L ) â â L 2 = â â α α ( 1 â â α α ) â
â
T â
â
K α α L â â ( 1 + α α ) {\displaystyle {\frac {\partial ^{2}F(K,L)}{\partial L^{2}}}=-\alpha (1-\alpha )\cdot T\cdot K^{\alpha }L^{-(1+\alpha )}}
â â 2 F ( K , L ) â â K 2 = â â α α ( 1 â â α α ) â
â
T â
â
K â â ( 2 â â α α ) L 1 â â α α {\displaystyle {\frac {\partial ^{2}F(K,L)}{\partial K^{2}}}=-\alpha (1-\alpha )\cdot T\cdot K^{-(2-\alpha )}L^{1-\alpha }} .
Sie werden fĂŒr alle Inputs negativ sein, also fallen die Zuwachsraten. Man könnte also sagen, dass bei steigendem Input der Output unterproportional steigt. Die relative Ănderung des Outputs im VerhĂ€ltnis zu einer relativen Ănderung des Inputs ist hier durch die ElastizitĂ€t η η i ⥠⥠â â f ( x ) â â x i x i f ( x ) {\displaystyle \eta _{i}\equiv {\tfrac {\partial f(x)}{\partial x_{i}}}{\tfrac {x_{i}}{f(x)}}} gegeben. Vorliegend bezeichnet η η K ⥠⥠â â F ( K , L ) â â K K F ( K , L ) {\displaystyle \eta _{K}\equiv {\tfrac {\partial F(K,L)}{\partial K}}{\tfrac {K}{F(K,L)}}} die ProduktionselastizitĂ€t des Kapitals, die bei dieser Produktionsfunktion dem Exponenten α α {\displaystyle \alpha } entspricht, der wiederum die Kapitaleinkommensquote reprĂ€sentiert. Folglich steigt der Output bei einer infinitesimal kleinen Erhöhung des Kapitals um die Kapitaleinkommensquote.
WeiterfĂŒhrende Theorien
Differentialgleichungen
â
Hauptartikel
:
Differentialgleichung
Eine wichtige Anwendung der Differentialrechnung besteht in der mathematischen Modellierung physikalischer VorgĂ€nge. Wachstum, Bewegung oder KrĂ€fte haben alle mit Ableitungen zu tun, ihre formelhafte Beschreibung muss also Differentiale enthalten. Typischerweise fĂŒhrt dies auf Gleichungen, in denen Ableitungen einer unbekannten Funktion auftauchen, sogenannte Differentialgleichungen.
Beispielsweise verknĂŒpft das newtonsche Bewegungsgesetz
F â â ( t ) = m a â â ( t ) = m r â â š š ( t ) = m d 2 r â â ( t ) d t 2 {\displaystyle {\vec {F}}(t)=m{\vec {a}}(t)=m{\ddot {\vec {r}}}(t)=m{\frac {\mathrm {d} ^{2}{\vec {r}}(t)}{\mathrm {d} t^{2}}}}
die Beschleunigung a â â {\displaystyle {\vec {a}}} eines Körpers mit seiner Masse m {\displaystyle m} und der auf ihn einwirkenden Kraft F â â {\displaystyle {\vec {F}}} . Das Grundproblem der Mechanik lautet deshalb, aus einer gegebenen Beschleunigung die Ortsfunktion eines Körpers herzuleiten. Diese Aufgabe, eine Umkehrung der zweifachen Differentiation, hat die mathematische Gestalt einer Differentialgleichung zweiter Ordnung. Die mathematische Schwierigkeit dieses Problems rĂŒhrt daher, dass Ort, Geschwindigkeit und Beschleunigung Vektoren sind, die im Allgemeinen nicht in die gleiche Richtung zeigen, und dass die Kraft von der Zeit t {\displaystyle t} und vom Ort r â â {\displaystyle {\vec {r}}} abhĂ€ngen kann.
Da viele Modelle mehrdimensional sind, sind bei der Formulierung hÀufig die weiter oben erklÀrten partiellen Ableitungen sehr wichtig, mit denen sich partielle Differentialgleichungen formulieren lassen. Mathematisch kompakt werden diese mittels Differentialoperatoren beschrieben und analysiert.
Differentialgeometrie
â
Hauptartikel
:
Differentialgeometrie
Zentrales Thema der Differentialgeometrie ist die Ausdehnung der klassischen Analysis auf höhere geometrische Objekte. Diese sehen lokal so aus wie zum Beispiel der euklidische Raum R n {\displaystyle \mathbb {R} ^{n}} , können aber global eine andere Gestalt haben. Der Begriff hinter diesem PhĂ€nomen ist die Mannigfaltigkeit. Mit Hilfe der Differentialgeometrie werden Fragestellungen ĂŒber die Natur solcher Objekte studiert â zentrales Werkzeug ist weiterhin die Differentialrechnung. Gegenstand der Untersuchung sind oftmals die AbstĂ€nde zwischen Punkten oder die Volumina von Figuren. Beispielsweise kann mit ihrer Hilfe der kĂŒrzestmögliche Weg zwischen zwei Punkten auf einer gekrĂŒmmten FlĂ€che bestimmt und gemessen werden, die sogenannte GeodĂ€tische. FĂŒr die Messung von Volumina wird der Begriff der Differentialform benötigt. Differentialformen erlauben unter anderem eine koordinatenunabhĂ€ngige Integration.
Sowohl die theoretischen Ergebnisse als auch Methoden der Differentialgeometrie haben bedeutende Anwendungen in der Physik. So beschrieb Albert Einstein seine RelativitÀtstheorie mit differentialgeometrischen Begriffen.
Verallgemeinerungen
In vielen Anwendungen ist es wĂŒnschenswert, Ableitungen auch fĂŒr stetige oder sogar unstetige Funktionen bilden zu können. So kann beispielsweise eine sich am Strand brechende Welle durch eine partielle Differentialgleichung modelliert werden, die Funktion der Höhe der Welle ist aber noch nicht einmal stetig. Zu diesem Zweck verallgemeinerte man Mitte des 20. Jahrhunderts den Ableitungsbegriff auf den Raum der Distributionen und definierte dort eine schwache Ableitung. Eng verbunden damit ist der Begriff des Sobolew-Raums.
Der Begriff der Ableitung als Linearisierung lĂ€sst sich analog auf Funktionen f {\displaystyle f} zwischen zwei normierbaren topologischen VektorrĂ€umen X {\displaystyle X} und Y {\displaystyle Y} ĂŒbertragen (s. Hauptartikel FrĂ©chet-Ableitung, GĂąteaux-Differential, Lorch-Ableitung): f {\displaystyle f} heiĂt in Ο Ο {\displaystyle \xi } FrĂ©chet-differenzierbar, wenn ein stetiger linearer Operator L Ο Ο â â L ( X , Y ) {\displaystyle L_{\xi }\in {\mathcal {L}}(X,Y)} existiert, sodass
lim h â â 0 â â f ( Ο Ο + h ) â â f ( Ο Ο ) â â L Ο Ο h â â â â h â â = 0 {\displaystyle \lim _{h\to 0}{\frac {\|f(\xi +h)-f(\xi )-L_{\xi }h\|}{\|h\|}}=0} .
Eine Ăbertragung des Begriffes der Ableitung auf andere Ringe als R {\displaystyle \mathbb {R} } und C {\displaystyle \mathbb {C} } (und Algebren darĂŒber) fĂŒhrt zur Derivation.
Siehe auch
Literatur
Differentialrechnung ist ein zentraler Unterrichtsgegenstand in der Sekundarstufe II und wird somit in allen Mathematik-LehrbĂŒchern dieser Stufe behandelt.
LehrbĂŒcher fĂŒr Mathematik-Studierende
âą Henri Cartan: Differentialrechnung. Bibliographisches Institut, Mannheim 1974, ISBN 3-411-01442-3.
âą Henri Cartan: Differentialformen. Bibliographisches Institut, Mannheim 1974, ISBN 3-411-01443-1.
⹠Henri Cartan: Elementare Theorien der analytischen Funktionen einer und mehrerer komplexen VerÀnderlichen. Bibliographisches Institut, Mannheim 1966, 1981, ISBN 3-411-00112-7.
âą Richard Courant: Vorlesungen ĂŒber Differential- und Integralrechnung. 2 BĂ€nde. Springer 1928, 4. Auflage 1971, ISBN 3-540-02956-7.
âą Jean DieudonnĂ©: GrundzĂŒge der modernen Analysis. Band 1. Vieweg, Braunschweig 1972, ISBN 3-528-18290-3.
âą Gregor M. Fichtenholz: Differential- und Integralrechnung IâIII. Verlag Harri Deutsch, Frankfurt am Main 1990â2004, ISBN 978-3-8171-1418-4 (kompletter Satz).
⹠Otto Forster: Analysis 1. Differential- und Integralrechnung einer VerÀnderlichen. 7. Auflage. Vieweg, Braunschweig 2004, ISBN 3-528-67224-2.
⹠Otto Forster: Analysis 2. Differentialrechnung im R n {\displaystyle \mathbb {R} ^{n}} . Gewöhnliche Differentialgleichungen. 6. Auflage. Vieweg, Braunschweig 2005, ISBN 3-528-47231-6.
⹠Konrad Königsberger: Analysis. 2 BÀnde. Springer, Berlin 2004, ISBN 3-540-41282-4.
âą Wladimir I. Smirnow: Lehrgang der höheren Mathematik (Teil 1â5). Verlag Harri Deutsch, Frankfurt am Main, 1995â2004, ISBN 978-3-8171-1419-1 (kompletter Satz).
âą Steffen Timmann: Repetitorium der Analysis. 2 BĂ€nde. Binomi, Springe 1993, ISBN 3-923923-50-3, ISBN 3-923923-52-X.
âą Serge Lang: A First Course in Calculus. Fifth Edition, Springer, ISBN 0-387-96201-8.
LehrbĂŒcher fĂŒr das Grundlagenfach Mathematik
âą Rainer Ansorge, Hans Joachim Oberle: Mathematik fĂŒr Ingenieure. Band 1. Akademie-Verlag, Berlin 1994, 3. Auflage 2000, ISBN 3-527-40309-4.
âą GĂŒnter BĂ€rwolff (unter Mitarbeit von G. Seifert): Höhere Mathematik fĂŒr Naturwissenschaftler und Ingenieure. Elsevier Spektrum Akademischer Verlag, MĂŒnchen 2006, ISBN 3-8274-1688-4.
âą Lothar Papula: Mathematik fĂŒr Naturwissenschaftler und Ingenieure. Band 1. Vieweg, Wiesbaden 2004, ISBN 3-528-44355-3.
âą Klaus Weltner: Mathematik fĂŒr Physiker 1. Springer, Berlin 2011, ISBN 978-3-642-15527-7.
âą Peter Dörsam: Mathematik anschaulich dargestellt fĂŒr Studierende der Wirtschaftswissenschaften. 15. Auflage. PD-Verlag, Heidenau 2010, ISBN 978-3-86707-015-7.
Weblinks
Commons
: Differentialrechnung
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikibooks: Mathe fĂŒr Nicht-Freaks: Ableitung und Differenzierbarkeit
â Lern- und Lehrmaterialien
Wiktionary: Differentialrechnung
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
⹠Tool zur Bestimmung von Ableitungen beliebiger Funktionen mit einer oder mehreren Variablen mit Rechenweg (deutsch; benötigt JavaScript)
⹠Online-Rechner zum Ableiten von Funktionen mit Rechenweg und ErklÀrungen (deutsch)
⹠Anschauliche ErklÀrung von Ableitungen
âą Beispiele zu jeder Ableitungsregel
Einzelnachweise
cite-note-11. â Herbert Amann, Joachim Escher: Analysis 1. 3. Auflage. BirkhĂ€user, S. 316.
cite-note-22. â Serge Lang: A First Course in Calculus. Fifth Edition. Springer, S. 59â61.
cite-note-33. â Fritz Wicke: EinfĂŒhrung in die Höhere Mathematik: unter besonderer BerĂŒcksichtigung der BedĂŒrfnisse des Ingenieurs. Band 1. Springer, 1927, Seite 103.
cite-note-44. â Carl Spitz: Erster Cursus der Differential- und Integralrechnung. C. F. Winterâsche Verlagshandlung, 1871, Seite 15
cite-note-55. â Carl Spitz: Erster Cursus der Differential- und Integralrechnung. C. F. Winterâsche Verlagshandlung, 1871, Seite 16
cite-note-66. â T. Arens et al.: Mathematik. Spektrum, S. 422.
cite-note-77. â T. Arens et al.: Mathematik. Spektrum, S. 170.
cite-note-88. â T. Arens et al.: Mathematik. Spektrum, S. 292.
cite-note-99. â Serge Lang: A First Course in Calculus. Fifth Edition. Springer, S. 463â464.
cite-note-1010. â John Stillwell: Mathematics and Its History, Third Edition, Springer, S. 192â194.
cite-note-1111. â Serge Lang: Calculus of Several Variables, Third Edition, Springer, S. 439.
cite-note-1212. â Serge Lang: Calculus of Several Variables, Third Edition, Springer, S. 434.
cite-note-1313. â Herbert Amann, Joachim Escher: Analysis 2. 2. Auflage. BirkhĂ€user, S. 161.
cite-note-1414. â Serge Lang: Calculus of Several Variables, Third Edition, Springer, S. 435â436.
cite-note-1515. â Hans WuĂing, Heinz-Wilhelm Alten, Heiko WesemĂŒller-Kock, Eberhard Zeidler: 6000 Jahre Mathematik: Von den AnfĂ€ngen bis Newton und Leibniz. Springer, 2008, S. 429.
cite-note-1616. â Thomas Sonar: 3000 Jahre Analysis, Springer, S. 247â248.
cite-note-1717. â Thomas Sonar: 3000 Jahre Analysis, Springer, S. 378.
cite-note-1818. â Marquis de LâHospital: Analyse des Infiniment Petits pour lâIntelligence des Lignes Courbes. Preface, S. ixâx: « LâĂtendue de ce calcul est immense: ⊠»; archive.org.
cite-note-1919. â Ernst Hairer, Gerhard Wanner: Analysis in historischer Entwicklung. Springer, S. 87.
cite-note-2020. â John Stillwell: Mathematics and its history, Third Edition, Springer, S. 157.
cite-note-2121. â Thomas Sonar: 3000 Jahre Analysis, Springer, S. 424â425.
cite-note-2222. â Hans WuĂing, Heinz-Wilhelm Alten, Heiko WesemĂŒller-Kock, Eberhard Zeidler: 6000 Jahre Mathematik: Von Euler bis zur Gegenwart. Springer, 2008, S. 233.
cite-note-2323. â Thomas Sonar: 3000 Jahre Analysis, Springer, S. 506â514.
cite-note-2424. â Ernst Hairer, Gerhard Wanner: Analysis in historischer Entwicklung, Springer, S. 91.
cite-note-2525. â T. Arens et al.: Mathematik. Spektrum, S. 284.
cite-note-ae318-2727. â Herbert Amann, Joachim Escher: Analysis 1. 3. Auflage. BirkhĂ€user, S. 318.
cite-note-2828. â Jeremy Gray: The Real and the Complex: A History of Analysis in the 19th Century, Springer, S. 271â272.
cite-note-2929. â Herbert Amann, Joachim Escher: Analysis 1. 3. Auflage. BirkhĂ€user, S. 323.
cite-note-ae324-3030. â Herbert Amann, Joachim Escher: Analysis 1. 3. Auflage. BirkhĂ€user, S. 324.
cite-note-3131. â Differentialrechnung. In: Guido Walz (Hrsg.): Lexikon der Mathematik. 1. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Mannheim/Heidelberg 2000, ISBN 3-8274-0439-8.
cite-note-3232. â Ernst Hairer, Gerhard Wanner: Analysis in historischer Entwicklung, Springer, S. 90.
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cite-note-3434. â Thomas Sonar: 3000 Jahre Analysis, Springer, S. 408.
cite-note-3535. â Lokenath Debnath: The Legacy of Leonhard Euler â A Tricentennial Tribute, Imperial College Press, S. 26.
cite-note-3636. â Ali Mason: Advanced Differential Equations. EDTECH, 1019, ISBN 1-83947-389-4, S. 67.
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